Aussichtschmuggeln auf dem Sentiero Contrabbandieri Massimo Torti 

Nun radelten wir dahin. Nach der Bar Ponte Alto, welche das Ende der Ponale markierte, hatten wir uns links Richtung Pregasina gehalten und strampelten jetzt die Serpentinen einer asphaltierten Straße weiter bergauf. Zum Glück war diese für dem Autoverkeht gesperrt, sodass wir nur weiteren Radfahrern und einigen Wanderern begegneten. Der ein oder andere Trailrunner war auch darunter.  So ging es noch eine gute Stunde dahin, bis wir die große Statue am Ortsrand von Pregasina erreichten. Bei der dortigen Aussichtplattform stellten wir die Räder ab und genossen erstmal die herrlich Aussicht über dem Gardasee. Über himmelblauen Wasser erhob sich über Riva del Garda malerisch der Monte Brione. Schon eine wirklich tolle Aussicht! Das entsprechende Foto wurde gleich am Ende des Tages als Postkartenmotiv für die Daheimgebliebenen verwendet, App sei Dank.

 

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Zustieg.

 

Nun hieß es aber erstmal ein ganzes Stück des Weges zurücklaufen bis wir nach einigen Kehren eine kleine Steintafel mit der Aufschrift „Traccio Lino“ fanden. Die Räder hatten wir nur an der Statue angestellt, denn dort sollten wir beim Abstieg in ein paar Stunden wieder vorbeikommen. So könnte man sich länger den Berg runterrollen lassen. Ich schweife ab… wieder zurück zur Steintafel. Dort fanden wir einen Trampelpfad. Bald führte uns der Pfad auf einen Grat, den wir hinabstiegen und an manchen Stellen sich kraxelten. Schließlich erreichten wir eine Tafel mit „Massimo Torti“ und das von vielen Bildern bereits bekannte Fangnetz.

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Fangnetz am Beginn..
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… des Sentiero Contrabbandieri Massimo Torti.

Hier legten erstmal unsere Ausrüstung an, das Seil wurde ausgepackt. Denn so richtig geheuer war uns die Routenbeschreibung mit den schmalen ungesicherten Bändern nicht. Also, warum nicht sichern, wenn es die Möglichkeit dazu gibt?! Die ersten Meter hinter dem Fangnetz waren gemütlich breit und teilweise mit Stahlseilen gesichert. Doch das würde sich bald ändern, wie wir feststellen. Nach dem Ende des Fangnetzes began die Bohrhakenreihe, kein Stahlseil mehr. Der Pfade verschmälerte sich langsam aber stetig. Seil mit Exen in die Bohrhaken rein und los ging’s. Immer gleichmäßigen Schrittes, dass das Seil nicht durchhing, wanderten wir so dahin (A).

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Nach circa einem Drittel des Weges trafen wir wieder auf ein längeres Stahlseil, mit dem man über eine kleine Kluft (C/D) im weiten Spreizschritt sicherte. Eigentlich waren das mehrfach gezogene dünne Stahlseile, auf dem ersten Blick nicht sehr vertrauenswürdig, hielt aber ohne Probleme.

 

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Spreizschritt C/D.

 

Weiter ging die Wanderung am laufenden Seil auf dem mittlerweile ziemlich schmalen Pfad (A). Zu allem Überfluss hingen die Wände häufig über den Weh geneigt, sodass man sich öfters den Helm andötzte. Links viel die Wand steil gen Gardasee ab. Die Aussicht war allerdings wirklich umwerfend! Der blaue Gardasee glitzerte herrlich und die Fernsicht wurde mal nicht durch den typischen Dunst beeinträchtigt.

Auf der Hälfte des Steigs trafen wir erneut auf Stahlseile, welche uns zur Eisenstrickleiter (C/D) führte. Der Übergang von Fels zur Leiter war etwas komisch, aber sonst bewältigten wir alles problemlos. Die Leiter selbst war nur ein paar Meter lang.

 

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Eisenstrickleiter C/D.

 

Und wir wanderten weiter auf dem schmalen Pfad zum nächsten Drahtseilversicherten Abschnitt. Angeblich wäre auf den Weg dahin eine kurze B/C-Stelle zu bewältigen gewesen, allerdings wurde der Weg die ganze Zeit über nicht wirklich schwerer. Sehr seltsam… Das nächste Stück mit dem Drahtseil erwies sich doch als „richtige“ Klettersteigstelle, die sogar noch anspruchsvoller war. Das C/D-Stück war wirklich spaßig und es war schön luftig unter unseren Hintern. Danach stellte sich erstmals das Klettersteigglücksgefühl ein. Endlich wieder ein richtiger Klettersteig, hurra!

 

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C/D-Stück.

 

Leider sollte das Gefühl nur kurz wären, denn schon liefen wir weiter auf dem Pfad. Langsam weitete sich der Weg mehr und mehr. Gemütliches Gehen war mittlerweile auch ohne Seil möglich. Die letzten Meter erklommen wir hinter einem Steinfangnetz bevor wir am Ende des Schmugglerwegs angelangten. Unter uns flitzten viele Surfer vor dem Surf Hotel auf dem Wasser hin und her. Der Abstieg vom Steig stellte sich eher als Aufstieg heraus. Zum Teil sehr steil kletterten wir gute 45 Minuten bergauf. Einige Stellen erwiesen sich sogar schwerer als der ganz Steig. Am Hotel „Albergo Rosalpina“ trafen wir wieder auf die Straße und kehrten über diese zurück zur Aussichtsplattform, wo unsere Räder parkten. Schließlich rollten wir zurück über die Straße und die Ponale nach Riva del Garda.

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Fazit zum Sentiero Contrabbandieri Massimo Torti:

Nicht klassischer Klettersteig hoch über dem Gardasee. Eher Wandern am laufenden Seil statt richtig Kraxeln am Drahtseil. Der schmale Pfad ist allerdings nicht für schwache Nerven oder Menschen mit Höhenangst. Sichern sollte man allemal, denn nur sehr erfahrene und trittsichere Geher mit Nerven aus Stahlseilen (ein herrliches Wortspiel) würden nicht hinunter purzeln. Leider sind nur wenige richtige Klettersteigstellen in dem Weg, sodass das echte Klettersteigvergnügen eher kurz geraten ist. Der Weg bietet eine herrliche Aussicht auf den Gardasee. Mit seiner südostseitigen Lage friert man auch im Oktober nicht, eher waren die langen Hosen zu warm. Im Sommer dagegen brät man wahrscheinlich ziemlich auf dem Schmugglerweg. Insgesamt eine nette Wanderung am laufenden Seil, die eher eine Nervenübung als Klettersteigvergnügen war und etwas langweilig.

Daten & Fakten: 

  • Schwierigkeit: C/D
  • Dauer: Zustieg 35 min, Schmugglerweg 1:45 h, Abstieg 40 min
  • Höhenmeter: Klettersteig 100 hm, insgesamt 450 hm
  • Tipp: Auf jeden Fall mit Seil und Exen an den reichlich vorhandenen Bohrhaken sichern. Die Ponale bietet eine gute Möglichkeit mit dem MTB als Anreisemöglichkeit.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. völlig krass das Fangnetz ! Sowas habe ich auch noch nie gesehen ! Da darfst du wahrscheinlich alles machen nur nicht nach unten schauen. Ich hatte mal einen Klettersteig gemacht ( Toblinger Knoten bei den Drei Zinnen) den ich sehr empfehlen kann wo es auch hinter einem senkrecht nach unten ging ! Manni

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