E5 Etappe 5:  Braunschweiger Hütte – Martin-Busch-Hütte 

Der Morgen des fünften Tages brach für uns etwas später an, denn in der Braunschweiger Hütte sollte es erst ab 7 Uhr Frühstück geben. Zum Glück waren die Genossen im kleinen 8 Personenlager von der ruhigen Sorte, sodass wir auch wirklich länger schlafen konnten.

Aber wie es sich für gute Deutsche gehört, standen wir Punkt 7 Uhr mit unseren Frühstücksmarken bewaffnet an der Theke. Das Frühstücksbuffet war reichlich und ehrlich gesagt auch das Beste, das wir auf dem ganzen Trip hatten. Frisch gestärkt schnürten wir nun zum vorletzten Mal unsere Wanderstiefel, schulterten die Rucksäcke und machten uns auf dem Weg.

 

 

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Braunschweiger Hütte
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Karlesferner

 

 

Aufstieg zum Pitztaler Jöchl (2.996 m)

Noch etwas kühl, aber bei herrlichen Sonnenschein begaben wir uns an der Braunschweiger Hütte auf den Weg Richtung Pitztaler Jöchl. Hinter uns lag nun die Hütte über der der Karlesferner thronte. Während des Aufstiegs durch ein Schotterfeld vernahmen wir immer wieder donnernde Geräusche von den gegenüberliegenden Gletschern. Da musste ordentlich Eisbruch im Gange sein. Nach einer knappen Stunde sowie etwas Stau aufgrund zweier Bergschulen erreichten wir das Pitztaler Jöchl auf 2.996 m. An dieser Scharte bot sich uns nicht nur ein grandioser Blick zurück Richtung Braunschweiger Hütte, nein, wir konnten auch einen herrlichen Ausblick nach Sölden werfen.

 

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Blick zurück zur Braunschweiger Hütte.

 

Retten- und Tiefenbachferner

Der Abstieg zum Söldener Gletscherstadion gestalte sich erneut protrahiert, denn es waren noch zwei Bergschulen vor uns und, wie schon erwähnt, zwei hinter uns. Der Weg führte durch ein gerölliges, plattiges und relativ steiles Schuttfeld. Immer wieder waren kürze Drahtseilversicherungen und auch Tritthilfen durch Stifte sowie Klammern angebracht. Hierdurch wurde aufgrund der fehlenden Sicherheit einiger Gäste der Bergschule vor uns, mal wieder Stau produziert. War ja primär nicht so schlimm, denn die Sonne wärmte mittlerweile kräftig unsere Nasen und die Talsicht war grandios. Leider konnten wir das nicht genießen, denn die Gäste der Bergschulen hinter uns traten immer wieder Steine los. Es polterten zum Teil Fußballgroße Brocken zu uns hinunter. Das verursachte ziemlich ungute Gefühle in der Magengrube. So begannen wir nun, einzelne Gruppenmitglieder der Bergschulen zu überholen und uns so hoppend einen sicheren Weg bis zur Schotterstraße kurz oberhalb des Gletscherstadions (2.670 m) zu bahnen. Bisher hatten wir immer nur ganze Gruppen überholt.

 

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Eine der versicherten Stellen beim Abstieg vom Pitztaler Jöchl.

 

Einen traurigen Anblick bot uns der Rettenbachferner oberhalb des Stadions. Überall wurde gearbeitet um den Gletscher zu erhalten, vieles war abgedeckt. Stefan meinte, dass vor circa 15 Jahren, als er das letzte mal dort gewesen war, das Stadion noch komplett im Eis gelegen sei. Uns zeigten sich dagegen nur asphaltierte und geschotterte Straßen, das Eis begann erst weit oberhalb der Bergstation. Dennoch tummelten sich viele Besucher und Wanderer dort. Das Restaurant hatte geöffnet und war gut besucht.

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Rettenbachferner am Gletscherstadion Sölden

Wir wollten nun mit dem Bus durch den Rosi-Mittermaier-Tunnel zum Tiefenbachferner fahren. Dieser Verbindungstunnel wurde 1982 eröffnet und ist mit seiner Lage auf 2.800m Europas höchstgelegener Straßentunnel. Aufgrund nur einer Röhre und nicht vorhandenen Gehwegen ist der 1.729 m lange Tunnel für Fußgänger gesperrt.

Der Busshuttle am Gletscherstadion stellte uns aber zunächst vor ein Problem. Die Kleinbusse waren von den Bergschulen eigentlich schon alle reserviert und dementsprechend vollgestopft. Zusätzlich fuhren die Shuttles nur im 20 Minutentakt. Ehrlich gesagt, erregte das erstmal ziemlich Unmut bei uns, denn wir wollten nicht bis Nachmittags warten, bis die Schulen erstmal durch sind und auch Normalsterbliche endlich wieder einen Platz bekommen würden. Ganz nach dem Motto, Dreistigkeit siegt, sprach ich einfach mal den nächsten Busfahrer an. Dieser meinte sehr freundlich, dass er keinen Platz mehr habe, denn auch der Kofferraum sei schon voll, aber sein Kollege im nächsten Bus hätte noch im Kofferraum Platz, da könnten wir dann mitfahren. Der Gute hielt Wort, sodass wir im nächsten Bus, welcher ebenfalls wieder mit Bergschulgästen voll besetzt war, einen Unterschlupf im Kofferraum fanden. Weich gepolstert auf den vielen Rucksäcken fuhren wir die circa 10 Minuten durch den Tunnel zum Tiefenbachferner. Den vollen Fahrpreis von 3€ mussten wir aber trotzdem zahlen. War uns egal, hauptsache wir waren zeitnah am Ferner angekommen und konnten unseren Weg nach Vent fortsetzten.

 

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Tiefenbachferner

 

Der Höhenweg Vent

Vom Tiefenbachferner (2.790 m), der ebenfalls wenig Eis führte, aber einen nicht ganz so traurigen Anblick bot, liefen wir los. Wir folgten der Beschilderung Richtung Vent. Zunächst noch auf dem Fahrweg vorbei am See, bogen wir schon nach kurzer Zeit auf den Höhenweg. Nach einigen Metern auf dem Höhenweg trafen wir auf junge Schafe, welche zunächst noch herumtollten. Auf unseren Anblick folgte die Schockstarre, welche wir die letzten Tage schon von den Tieren kannten. Was allerdings neu im Verhalten war, dass die drei Jungschafe die gelbe Blume an meinen Deuter-Rucksack erspähten und mich eine gute Viertel Stunde verfolgten. Die weglaufende Blume wurde ihnen dann anscheinend zu anstrengend und die Drei verzogen sich wieder auf die Wiesen oberhalb des Weges.

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Die Mutböden

Entlang des Berghänge schlängelte sich der Weg bergab. Nach kurzer Zeit trafen wir auf die ersten flacheren Passsagen, den Mutboden. Hier grasten viele Schafe, welche uns diesmal nicht beachteten. Im weiten Talschnitt des Weißbachkars mit dem gleichnamigen Bach und einem idyllischen See (2.658 m) legten wir die erste längere Pause an diesem Tag ein. Auf dem Weg bisher erhaschten wir schon erste Blick auf Vent und den sich dahinter erhebenden Similaun (3.606 m).

 

 

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Weißbachkar
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Ende des Weißbachkars

 

Wir verließen das Weißbachkar. Der Weg führte nun über ein Geröllfeld des Weißkarkogels (2.996 m). Langsam wurden die Steine weniger und der Wanderweg wieder ein klassischer sandiger Weg. Vent rückte immer mehr ins Sichtfeld und der Similaun bekam von der Talleitspitze (3.406 m) Gesellschaft. Seit dem Geröllfeld verdunkelte sich zusehends der Himmel und es kam immer mehr kühler Wind auf. Die letzte halbe Stunde vor Vent begann es richtig stark zu winden und zu regnen. Bravo, war mal so maximal ungemütlich und wir hatten nach Vent ja noch ein Drittel des Weges vor uns. In unsere Hardshelljacken gepackt stiegen wir nach Vent ab. Kurz vor erreichen des Ortseingangs hörte es plötzlich auf zu regnen, die Wolken rissen auf und die Sonne trat hervor. Innerhalb von Minuten war es schwülwarm. In Vent angekommen, suchten wir uns erstmal ein Gasthaus um in der Sonne zu trocknen und etwas gegen die knurrenden Mägen zu unternehmen. Schließlich war die Mittagszeit angebrochen.

 

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Höhenweg Vent
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Vent

 

Durchs Niedertal zur Martin-Busch-Hütte

Trocken, gestärkt und erholt brachen wir zum letzten Wegstück des Tages auf. Wir folgten den Wegweisern Richtung „Martin-Busch-Hütte“, welche wir in 2,5 Stunden erreichten sollte. Am Ortsende erklommen wir unterhalb eines Liftes erstmal einen kleinen Skihügel. Von hier hatte man eine tolle Aussicht nach Vent. Nachdem die Sonne mittlerweile auf uns herunterbrannte, kamen wir ganz schön ins Schwitzen. Am oberen Lifthäuschen trafen wir wieder auf die Schotterstraße, welche uns durchs Niedertal zur Martin-Busch-Hütte bringen sollte.  Den Wegrand säumten zu Anfangs noch viele Bäume, welche immer seltener wurden und schließlich Latschen ihren Platz überließen. An der Almhütte Niedertal waren nun auch die Latschen spärlicher geworden. Bis zur urigen Schäferhütte erreichten wir hochalpine karge Vegetation. Es folgte ein kurzer Abstieg mit Passage des reißenden Niedertalbachs über eine neue Brücke. Die alte Brücke wurde bei einem Felssturz beschädigt, man konnte noch einen riesigen Felsbrocken dort erkennen.

 

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Blick vom Skihügel nach Vent

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Nach einen kurzen Aufstieg zurück zur Schotterstraße, folgten wir dieser stetig bergauf. Auf der gegenüberliegenden Talseite erhaschten wir einen Blick auf einen kleinen Teil des Schalfferners. Rechts davon lag der kleine Mutmalferner zwischen dem Mutmalkamm (3.266 m) und der Mutmalspitze (3.522 m). Nach knappen 2,5 Stunden Aufstieg bogen wir um die letzten Kurve und erblickten endlich die Martin-Busch-Hütte (2.501 m). Nur noch wenige Meter trennten uns vor einer heißen Dusche und unserem Abendessen.

 

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Almhütte Niedertal
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Hochalpine Landschaft
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Martin-Busch-Hütte

 

Daten & Fakten:

  • Strecke: 26 km, inkl. 3,4 km Bustransfer
  • Dauer: 8:00 h Gehzeit
  • Aufstieg: 1.480 m
  • Abstieg: 1.730 m
  • Höhendifferenz: 1.896 – 2.996 m
  • Video auf unserem YouTube-Kanal

Kosten Etappe 5: 

  • Busshuttle Gletscher: 3€ pro Person
  • Martin-Busch-Hütte:
    • Übernachtung (Zimmer): 17€ pro Person
    • Frühstück: 13€ pro Person
    • Getränke / Essen: 38€ für 2 Personen

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Vent kenne ich von meiner Tour auf die Breslauer Hütte . Die liegt auch sehr schön !
    Wie gewohnt wieder tolle Fotos und die Gletscher schauen wirklich schlimm aus !

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    1. miiiep sagt:

      Dankeschön!
      Die Gletscher machen irgendwie traurig. Da sieht man die Auswirkungen der Klimaerwärmung, auch wenn deren Existenz manch einer leugnen mag

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      1. stimmt !“ Warte noch ein paar Jahre und dann sind alle weg ! Traurig aber wahr !

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