E5 Etappe 3: Memminger Hütte – Zams 

Am frühen Morgen unseres dritten Tages wurden wir jäh aus dem Schlaf gerissen. Im großen Lager fielen um 4 Uhr die ersten Damen im Dunkeln ohne Taschenlampe laut fluchend über einige Rucksäcke, nur um einige Minuten später das Deckenlicht zu entfachen, da man ja im Dunkeln keine Rucksäcke packen könne. Das Geschnatter dabei war leider groß. Das war’s also mit der Nachtruhe gewesen.

Da unsere Matratzen direkt unterm Fenster beheimatet waren, konnten wir den Sonnenaufgang über dem Lechtaler Hauptkamm genießen. Um uns erwachte langsam auch der Rest des Lagers.

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Sonnenaufgang über dem Lechtaler Hauptkamm

Frühstück wurde ab 6 Uhr für Gruppen und ab 6.30 Uhr für Normalsterbliche serviert. Dazu musste man sich mit seiner Frühstücksmarke, welche wir am Vortag beim Anmelden bekommen hatten, seine zwei Scheiben Brot und ein Heißgetränk an der Theke abholen. Müsli und Brotaufstriche standen dann zur Selbstbedienung bereit. Nach einer ausgiebigen Stärkung packten wir die restlichen sieben Sachen und machten uns auf den Weg.

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Hinter der Memminger Hütte war der Weg nach Zams schon ausgeschildert, sodass man sich nicht verlaufen konnte. Wir durchquerten den Talkessel Richtung Lechtaler Hauptkamm. Nach kurzem Marsch erreichten wir den Unteren Seewisee, ein Überbleibsel des ehemaligen Gletschers. Wir querten den kleinen idyllischen Bach, welcher den kleinen See im Grün speiste. Bald verließen wir die satten grünen Wiesen und begannen den Aufstieg zur Seescharte (2.599m). Viel Geröll und Steine vermittelten den Eindruck einer Mondlandschaft, in welcher der mittlere Seewisee beheimatet war. Wir ließen die Landschaft ausgiebig auf uns wirken, denn es hatte sich mittlerweile ein Stau der Bergschulen an der Scharte gebildet. Also, wozu hetzen und dann nur Schlange stehen?!

 

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Durch Schutt und Geröll, ….
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… und Stau zur Seescharte (2.599m).
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Mittlerer Seewisee.

 

 

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Seescharte (2.599m)

 

Alle Gäste hatten die Scharte passiert und nun waren wir an der Reihe. Flux über das kurze drahtseilversicherte Stück gekraxelt. Auf der anderen Seite erwartete uns strahlender Sonnenschein. Sogleich mussten wir uns der Jacken entledigen, denn die wärmenden Strahlen brachten uns ganz schön ins Schwitzen. Vor uns breitete sich nun das Inntal aus. Hier begann der 1850 Höhenmeter lange Abstieg nach Zams.

 

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Abstieg durch Geröll von der Seescharte.
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Blick ins Inntal.

 

Erstmal mussten wir durch Schutt und Geröll absteigen. Das war mal wieder nur halbspassig. Einige Drahtseilversicherungen halfen bei den steileren Passagen. Als bald begannen die ersten Grasflecken und Latschen zu wachsen bis es in ein dichteres Lachtschenfeld überging. Vor uns erhob sich über dem Inntal ein markanter Berg, die Silberspitze (2.461m).

 

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Abstieg durchs Latschenfeld….
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… auf die Hochebene.
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Lochbach mit Silberspitze.

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Wir gelangten auf die Hochebene mit ihren satten grünen Wiesen und vielen bunten Blumen. Die Schmetterlinge flogen fröhlich zwischen den Blüten umher und dazwischen plätscherte der Lochbach gemächlich vor sich hin. Wir ließen die Oberlochalm am Beginn der Ebene im wahrsten Sinne des Wortes links liegen. Begleitet vom Duft der Blüten und dem Glitzern des Wassers passierten wir die Ebene, immer unter wachsamen Blick der Silberspitze.

Schließlich begann sich die Ebene zu verschmälern, die beeindruckenden Schutthänge der Plankenspitze (2.551m) rückten näher an den Bach, der Wald wurde dichter und der Weg langsam steiler. Im weiteren Abstieg überquerten wir den Lochbach und den Madriolbach, welche nun zu starken Gewässern angeschwollen waren. Über dem Baumwipfel erkannte man die Bergspitzen. Kurz darauf erreichten wir die Unterlochalm und legten die erste längere Pause des Tages ein. Einige Wanderer saßen schon auf den Bänken und genoßen die Sonne auf der kleinen Lichtung. Die Schinkenplatte der kleinen bewirtschafteten Alm stellte unser verfrühtes Mittagessen dar. Gegen Ende unserer Pause trudelten die ersten Bergschulen mit ihren Gästen ein um sich zu stärken.

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Unterlochalm

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Frisch gestärkt wanderten wir vorbei an den neugierig guckenden Kühen. Im Wald verlief der E5 nun im seichtem Auf und Ab bis wir das Zammer Loch erreichten. Ab hier verlief der E5 als ein in den Fels geschlagener Pfad, welcher auf einer Seite stark steil abfiel. Darunter rauschte der Lochbach. In endlosen Kehren wanderten wir nun gemütlich abwärts gen Zams, was sich entsprechend hinzog. Langsam erhaschten wir die ersten Blicke auf Zams.

 

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Waldweg
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Steiler Felsenpfad am Zammer Loch.

 

Vorbei an einem kleinen Rastplatz mit Feuerstelle verließen wir bald den Wald und betraten eine Schotterstraße im Tal, welche uns in den Ort führen sollte. Am Ortsrand passierten wir noch die kleine Bäuerinnenkapelle mit ihrem Trinkwasserbrunnen. Im Ortszentrum angekommen, suchten wir erstmal unser Hotel. Nach einer erfrischenden Dusche erkundeten wir den Weg zur Venetbahn und versorgten mich mit neuen Schnürsenkeln. Beim Abstieg war nun der Senkel des zweites Schuhes gerissen. Am nächsten Tag sollte es mit der Bergbahn weitergehen.

 

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Zams

 

Daten & Fakten:

  • Strecke: 15 km
  • Dauer: 5:45 h Gehzeit
  • Aufstieg: 445 m
  • Abstieg: 1.901 m
  • Höhendifferenz: 770 – 2.599 m
  • Video auf unserem YouTube-Kanal

Kosten Etappe 3: 

  • Übernachtung / Frühstück (Hotel): 111,60€ / 3 Personen
  • Getränke / Essen: 46€ für 2 Personen

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. 1900 m Abstieg geht kräftig in die Knie !! Super Fotos

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    1. miiiep sagt:

      Ja, der Tag war echt hart. Nachm duschen erstmal eine Stunde Auszeit und etwas Blackroll (hab sie ja nicht umsonst über die Alpen getragen) 😁

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  2. Also mir haben letzten Samstag 17,5 km durch Berlin gelatscht auch gereicht ! Da spürt man die Füsse auch nicht mehr !

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    1. miiiep sagt:

      Ui, des kann ich mir vorstellen. Nur Asphalt ist echt nicht schön. Wirds Fotos geben?

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      1. s. meinen letzten Beitrag von gestern !!!

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