E5 Etappe 2: Kemptner Hütte – Memminger Hütte

Nach einer erholsamen Nacht begann der zweite Tag unserer Alpenüberquerung recht früh. Heute sollte die erste Ganztagsetappe anstehen und auch noch was für eine. Die längste Etappe sollte uns heute von der Kemptner Hütte durchs Lechtal und das Madautal auf die Memminger Hütte führen. Von den insgesamt 26 Kilometer liefen allerdings knappe 15 Kilometer durchs Tal (laut Tourenbeschreibung). Könnte man mit einem Taxi verkürzen. Wenn dann richtig war die Devise und so nahmen wir uns vor, das Taxi nur zu nutzen, wenn es richtig regnen sollte.

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Kemptner Hütte und Muttlerkopf.

So schlugen wir um 6 Uhr zum Frühstück im Gastraum der Kemptner Hütte auf. Stärkung gab’s bei gutem Müsli, Obst und Tee. Kaffee ist ja bekanntlich nicht so umwerfend auf den Hütten, deswegen verzichteten wir darauf. Gegen 6.15 Uhr begann sich die Stube schlagartig zu füllen. Die Bergschulen waren erwacht und bezogen die reservierten Tische. Die hatten richtig gute Laune, während wir noch etwas langsam in unsere Teetassen guckten.

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Nichts desto trotz brachen wir kurz nach 6.30 Uhr auf. Beim Schuhe schnüren gab’s einen kurzen Ratsch und mein Schnürsenkel riss. So ein Mist! Das am zweiten Tag… Hm, Schnürsenkel raus, geknotet und wieder eingefädelt. Los geht’s!

Auf ins Lechtal

Bei noch grauem Wetter begannen wir den Aufstieg zum Mädelejoch, welches wir gemütlich nach 30 Minuten erreichten. Auf 1973 m passierten wir auf dem Joch die Grenze nach Tirol. Jetzt waren wir offiziell in Österreich, wo wir den größten Teil unserer Reise verbringen sollten. Vor uns eröffnete sich der Blick ins Lechtal. Langsam riss die Wolkendecke auf. Es wurde sonnig und wärmer. Also, höchstwahrscheinlich kein Taxi durchs Lechtal.

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Blick ins Lechtal

Unser einsamer Abstieg führte uns durch das wilde Hochtal des Rossgumpenbachs. Lediglich zwei Kletterer und ein Mountainbiker kamen uns entgegen. Aus dem Weg säumenden Stein wurden Latschenkiefer und schließlich ein Wald. Der Weg führte nun gemütlich weiter bergab. Die Rossgumpenalm liesen wir sozusagen links liegen. Oberhalb des Höhenbachs wanderten wir weiter bis zum Café Uta. Dort standen wir vor der Wahl den breiteren Wanderweg entlang des Höhenbachs zu folgen und den 30 Meter hohen Sims-Wasserfall zu passieren oder wir stiegen erneut einige Höhenmeter auf um zu Osterreichs längster Personenhängebrücke zu gelangen. Wir entschieden uns für die Hängebrücke und begannen den Aufstieg. Insgesamt kostete uns dieser kleine Umweg 20 Minuten mehr, die es absolut wert waren.

Die Hängebrücke spannte sich circa 200 Meter lang in 110 Meter Höhe über die Höhenbachschlucht. Es bot sich nicht nur ein herrlicher Ausblick ins Lechtail, auch die bisher passierten Hochtäler bestaunten wir nochmal während unter uns der Höhenbach rauschte.  Unglaublich idyllisch!

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Ein langer Hatsch

In Holzgau angekommen, säumten schon die E5-Taxis den Platz neben der Kirche. So früh am Morgen, waren eh kaum Wanderer unterwegs und die Paar wollten keine motorisierte Abkürzung ihrer Tour. Für uns sollte nun ein circa 15 Kilometer langer, nicht sehr ereignisreicher Talhatsch folgen. Zunächst ging es auf dem geteerten Weg und entlang des Fluss und des Waldrandes Richtung Stockach. Von Stockach gelangten wir erneut auf eine geteerte Straße und betraten nun das Madautal. Laut einem Schild war dort die Durchfahrt nur mit spezieller Genehmigung erlaubt. Trotzdem fuhren dort echt viele Autos und wir mussten alle paar Meter an den Wegesrand ausweichen. Ein Taxi nach dem Anderen, vollgestopft mit E5-Wanderern und deren Gepäck, rauschte an uns vorbei. Mountainbiker trafen wir kaum.

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Holzgau

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Nach einer gefühlten Ewigkeit auf der Waldstraße erreichten wir in Madau den Gasthof Hermine pünktlich zur Mittagszeit. Unsere Mägen knurrten, denn wir hatten uns bisher nur kurze Pausen erlaub. Erstmal was essen und sich ausgiebig ausruhen. Essen war hervorragend, leider war der Kaffee dort ungenießbar.

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Gasthof Hermine

Der letzte Anstieg

Frisch gestärkt machten wir uns ans letzte Drittel des Weges. Bis zur Materialseilbahn der Memminger Hütte mussten wir aber immer noch circa 45 Minuten durchs Parseier Tals hatschen. Man, das war echte nervig und ermüdend. An der Seilbahn standen immer noch einige Taxis, luden Wanderer aus und Gepäck in die Bahn um.

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Parseier Tal
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Parseier Bach bei Materialseilbahn.

Wir überquerten den Parseierbach unterhalb des Seekogels (2412 m) und begannen die letzten 800 Höhenmeter Aufstieg zur Memminger Hütte. Der Pfad stieg zunächst steil an und führte durch die immer spärlicher werdende Baumvegetation. Wir erreichten Almwiesen, über denen ein herrlicher Wasserfall rauschte und sich die grüne Kuppe des Seekogels erhob. Es bot sich ein herrlicher Blick über das Madau- bis ins Lechtal. Man erahnte sogar die Bergkette mit dem Mädelejoch. Soweit hatten wir es heute schon geschafft.  Wir überquerten eine kleine Brücke  unterhalb des Wasserfalls. Hier sichteten wir einige Murmeltiere.

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In schmalen Serpentinen stiegen wir eine schmale Rinne hinauf bis wir den Talkessel mit der Memminger Hütte ereichten. Über der idyllisch gelegenen Hütte erhob sich der Hauptkamm der Lechtaler Alpen. Die Seewiesen führten kein Wasser, sodass sie einfach nur herrlich grüne Wiesen waren. Dennoch ein herrliches Panorama.

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Lechtaler Hauptkamm mit Memminger Hütte.

Auf der Hütte angekommen, mussten wir feststellen, dass die bereits mit dem Bergschulen rammelvoll war. Die Schulen hatten mit ihren Gästen mit dem Taxis abgekürzt und waren so weit vor uns dort eingetrudelt. Wir bezogen unsere Betten im großen Lager im ersten Stock, das wirklich riesig war. Schnell begaben wir uns zum Essen, denn wir hatten Halbpension gebucht. Diese gab es nur bis 18 Uhr und wir kamen ja erst um kurz nach 17 Uhr auf der Hütte an. Duschen also später. Das Essen war gut, die Wasserreserven wurden mit reichlich Bergsteigerwasser wieder aufgefüllt. Nach dem Essen eilen wir schnell duschen. Zum Schluss belohnten wir uns noch mit einem Feierabendbierchen und einem Zirbenschnaps. Nach diesem langen anstrengenden und warmen Tag waren wir fix und alle, sodass es zeitig in die Heija ging. Was auch gut war, denn die Nacht sollte früh morgens jäh unterbrochen worden.

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Daten & Fakten:

  • Strecke: 30 km
  • Dauer: 9:30 h Gehzeit
  • Aufstieg: 1.527 m
  • Abstieg: 1.129 m
  • Höhendifferenz: 1.066 – 2.242 m
  • Video auf unserem YouTube-Kanal

Kosten Etappe 2: 

  • Memminger Hütte:
    • Übernachtung (Lager): 11€ pro Person
    • Halbpension: 28€ pro Personen
    • Getränke: 33€ für 2 Personen

 

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