E5 Etappe 1: Oberstdorf – Kemptner Hütte

Endlich war es soweit, nur noch einmal schlafen und wir würden am 15. Juli 2017, einem Samstag, zu unserer Alpenüberquerung aufbrechen. Um den Alpenhauptkamm zu überqueren, hatten wir uns schon Anfang des Jahres für den E5 entschieden. Doch zunächst: was ist der E5 überhaupt?

Der Europäische Fernwanderweg E5

Der E5 ist einer von zwölf Europäischen Fernwanderwegen (E1-E12), welche kreuz und quer durch Europa verlaufen. Sagt ja der Name schon. Allerdings führt nur ein kleines Stück des E5 über den Alpenhauptkamm, denn er startet an der französischen Atlantikküste an der Pointe du Raz und verläuft bis nach Verona in Italien. Die Route der Alpenüberquerung wurde ursprünglich vom Sonthofener Hans Schmidt entwickelt, welcher im Jahre 1969 in 9 Tagen nach Bozen wanderte. Durch einen Zufall war Schmidt anschließend an der Gründung der „Europäischen Wandervereinigung“ beteiligt. Er plante in deren Auftrag den heutigen Fernwanderweg E5 aus bestehenden Gebirgswegen. Dieser wurde 1972 „eröffnet“, aber erst 1976 kam durch die Bergschule Oberallgäu die Variante „Oberstdorf – Meran“ hinzu.

Von Oberstdorf nach Bozen auf der Originalroute sollte man in 10 Tagesetappen gelangen. Die Variante nach Meran benötigt dagegen nur 6 Tage. Die ersten vier Tagesetappen verlaufen identisch mit dem „Original-E5“. Erst ab der fünften Etappe zweigt der Weg ab und führt schließlich über das Timmelsjoch am Similaun nach Vernagt im Schnalstal in Südtirol. Von dort gelangt man wiederum mit dem Bus oder über zwei Etappen des Meraner Höhenwegs nach Meran.

Die Anreise

Die Rucksäcke waren komplett gepackt und die Vorfreude groß. Das ganze Jahr waren wir fleißig wandern gewesen um uns auf die Alpenüberquerung vorzubereiten. Am frühen Samstag Morgen stiegen wir hoch motiviert in die U-Bahn um zum Nürnberger Hauptbahnhof zu fahren, von wo unser Regionalexpress um 7.17 Uhr gen Oberstdorf abfuhr. Hier sollte unser Abenteuer also beginnen. Noch schnell mit Kaffee und Brezen am Bahnhof versorgt und schon saßen wir im Zug. Zu unserem Erstaunen, stiegen viele weitere Menschen mit vollgestopften Wanderrucksäcken zu. Hoffentlich wollten die nicht auch alle auf den E5. Soll ja angeblich immer sehr überlaufen sein….

 

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Mit dem RE von Nürnberg nach Oberstdorf.

 

Die Zugfahrt verlief soweit unspektakulär. Einzig der Hund der hinter uns sitzenden Fahrgäste schaute immer wieder vorbei um sich Streicheleinheiten abzuholen. In Oberstdorf angekommen, empfing uns bewölkter Himmel, aus dem alsbald die ersten Regentropfen fallen sollten. Das ging ja schon mal schön los… Ursprünglich wollten wir die 8 km vom Bahnhof in die Spielmannsau ja zu Fuß laufen, aber so gönnten wir uns doch die  20-minütige Busfahrt für 7,80 € in die Spielmannsau. Es fuhren wegen des hohen Andrangs sogar zwei Kleinbusse gleichzeitig dorthin. Dennoch waren diese ziemlich vollgestopft mit Wanderern und deren Gepäck.

 

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Die Spielmannsau.

 

Das Trettachtal

In der Spielmannsau sortierten wir uns erstmal und taten danach unsere ersten richtigen Schritte auf unserem Weg über die Alpen. Mittlerweile ließ der Regen zum Glück etwas nach und nach den ersten Metern auf der Teerstraße, welche uns ins Trettachtal führte, verebbte er ganz. Rechts und links der Straße lagen viele Kuhweiden mit den entsprechenden Bewohner. Die Aussicht auf die umliegenden Berge konnten wir nicht wirklich genießen, denn die Wolken hingen tief an diesem Tag. Der Blick auf den Traufberg (1552 m), den Kratzer (2427 m) und die Trettachspitze (2595 m) blieb uns dadurch verwehrt. Bis zur Alpe Oberau, einer idyllischen kleinen Alm, verlief der Weg nur flach dahin. Nach der Weggabelung begann die Straße erstmals anzusteigen und wir erreichten bald die Materialseilbahn der Kemptner Hütte. Dort endete die Straße. Ein kleiner Wanderweg führte oberhalb der Trettach tiefer ins sich verjüngende Trettachtal hinein. Herrlich sattgrüner Wald und die schönsten Blumen wuchsen nun überall. Leise plätscherten kleine Wasserfälle, welche zur Trettach flossen. Unglaublich pittoresk und eine Freude für die Sinne.  Durch die vielen kleinen Bäche, Wasserfälle und die Pflanzen stellte sich ein schwülwarmes Klima ein, das uns gehörig den Schweiß auf die Stirn trieb während der Weg moderat bergauf führte.  Hier begegneten wir erstmals einer weiteren Wandergruppe, welche augenscheinlich mit Bergführer unterwegs war.

Wir gelangten zu einer kleinen Brücke, welche sehr notdürftig dort angebracht schien und man nur einzeln betreten durfte um die Trettach zu überqueren. Der Weg führte nun steil bergauf auf den Warmatsrücken. Es begann wieder zu regnen. Mist, die Regenschirme waren schön sicher ganz unten im Rucksack verstaut. Mit einigem Hin und Her und Zerren bekam man ihn dann doch frei und konnte trockenen Hauptes den Weg auf den Warmatsrücken fortsetzten. Auf dem Warmatsrücken passierten wir die kleine Wallfahrtskapelle Maria am Knie.

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Brücke vor dem Warmatsrücken.

Der Sperrbachtobel

Vom Warmatsrücken stiegen wir einige Meter ab um in den Sperrbachtobel zu gelangen, in dem der Sperrbach rauscht. Eine weitere kleine Brücke, diesmal nicht provisorisch, ermöglichte den Übergang auf die linke Bachseite. Nun begann erneut der Aufstieg mit den letzten 480 Höhenmetern bis zur Hütte. Teils mit kurzen Stahlseilen versichert wanderten wir den Tobel entlang . Unter uns hatten einige Altschneefelder oberhalb des Baches wacker der Hitze getrotzt.  Viele Meter unter uns rauschte das Wasser. Langsam ließ der Regen wieder nach und die Wolken stiegen auf, sodass sich am Ende des Sperrbachtobels der Muttlerkopf (2368 m) erhob.

Am Ende des schmalen Tobel betraten wir nun einen Talkessel unterhalb des Muttlerkopfs. Zufrieden kauende Kühe bevölkerten die Wiesen des Kessels. Erstmal konnte man rechter Hand die ersten Blicke auf die Kemptner Hütte erhaschen. Wir überholten erneut eine Wandergruppe mit Bergführer.

 

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Die Kemptner Hütte.

 

Über die Wiesen wanderten wir in einem Bogen gemütlich zur Kemptner Hütten. Immer unter den wachsamen Augen der Kühe. Über unseren Köpfen erhoben sich der Muttlerkopf und der Grenzkamm zu Tirol.

Die Kemptner Hütte

An der Hütte angekommen, führte uns unser erster Weg in den Schuh- und Trockenraum. Hier wurde sich der Wanderschuhe und der nassen Schirme und Jacken entledigt. In schönen leichten Hüttenschuhen betraten wir die Gaststube und meldeten uns brav an. Unser Lager lag direkt unterm Dach und wir hatten eine gemütliche Dreierbox für uns. Duschen war leider nicht drin an diesem Tag, denn das Warmwasser der Hütte wurde über Solarstrom erzeugt. Keine Sonne, kein Warmwasser. So gingen wir gleich zum verspäteten Mittagessen und einem frühen Kaffee über. Nachdem es wieder regnete, verzichteten wir auf die Tour auf den Muttlerkopf und beobachteten stattdessen die nach und nach eintreffenden Bergschulen mit ihren Gästen. Da waren echt die unterschiedlichsten Arten dabei. Von Gruppen, welche eigentlich nur einen Bergführer hatten, aber ihr Gepäck selbst schleppen bis hin zu Gruppen mit Gepäcktransport, welche alle mit kleinen Tagesrucksäcken mit Werbung der entsprechenden Schule ausgestattet waren, war alles vertreten. Es gab sogar eine Gruppe, die mit ihrer Firma zum Teambuilding auf die Hütte gekommen war. Die machten sehr lustig anzusehende Spiele im Regen. Gegen 17 Uhr waren dann auch die Letzten eingetrudelt und das Abendessen konnte beginnen.

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Wir suchten an diesem Abend allerdings zeitig das Lager auf, denn die zweite Etappe, auch als Königsetappe bekannt, sollte am nächsten Tag sehr lange und sehr anstrengend werden. Frühstück würde es deswegen auch um 6 Uhr geben.

Weiter zu Etappe 2 ->

 

Daten & Fakten:

  • Strecke: 9,09 km
  • Dauer: 2:56 h
  • Aufstieg: 870 m
  • Abstieg: 36 m
  • Höhendifferenz: 813 – 1.844 m
  • Video auf unseren YouTube-Kanal

Kosten Etappe 1: 

  • Zugticket: Bayern-Ticket 37€ für 3 Personen
  • Bus zur Spielmannsau: 7,80€ pro Person
  • Kemptner Hütte:
    • Übernachtung (Lager): 11€ pro Person
    • Frühstück: 10,50€ für 2 Personen
    • Essen & Getränke: 66€ für 2 Personen

Hier noch einige Impressionen in der Bildergalerie:

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Die Spielmannsau.
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Durchs Trettbachtal.

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Brücke vor dem Warmatsrücken.
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Brücke über den Sperrbach

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Sperrbachtobel.

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Sperrbachtobel mit Muttlerkopf
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Kemptner Hütte
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Kemptner Hütte.
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Muttlerkopf.

 

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jetzt war ich schon fast auf allen Hütten im Allgäu bzw. Allgäuer Hauptkamm aber noch nie auf der Kemptner Hütte und auf der Rappenseehütte. Die waren mir einfach immer zu überlaufen da die ja auch durch den Heilbronner Weg stark frequentiert werden. Aber ich bin bei euch gespannt wie es weitergeht.

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    1. miiiep sagt:

      Abends war die Hütte schon echt voll. Untertags hielt es sich in Grenzen. Allerdings hatten wir für Hütte schon Anfang Februar reserviert.

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      1. Früher musste man auf den Hütten nicht reservieren aber heute ist das glaub ein „Muß“ ! Bin gespannt auf die Beiträge !

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      2. miiiep sagt:

        Zumindest auf den E5 und in der Ferienzeit 😒

        Gefällt 1 Person

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