Sonntags auf’s Sonntagshorn

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Bald, bald sollten wir zu unserer Alpenüberquerung aufbrechen. Nicht mal mehr eine Woche… Dennoch wollten wir am Wochenende vor der großen Tour noch eine schöne lange Wanderung als Abschlusstraining machen. Allerdings sind wir ja beide Schichtler und so war die Zeit mal wieder knapp. Dank netter Kollegen und Überstunden brachen wir Samstag Abend Richtung Chiemgau auf. Zum Glück hielten sich die Hüftschmerzen, welche mich seit Mai plagten und denen ich trotz forcierten Dehn- und BlackRoll-Übungen nicht Herr werden konnte, an diesem Wochenende in Grenzen. Auch hinkte ich die vergangene Woche mal nicht andauernd durch die Arbeit.

So brachte uns Samstag Abend unsere treue Liesl, das Wohnmobil nach Ruhpolding im schönen Chiemgau. Die Schönheit konnten wir nachts um 12 Uhr aber nicht mehr bewundern und fielen nach langen Arbeitstagen müde ins Bett. Am frühen Morgen stärkten wir uns noch mit einem gutem Frühstück bei einem Ruhpoldinger Bäcker bevor unser WoMo beim Ruhpoldinger Holzknechtmuseum geparkt wurde. Die Parkplätze sind an diesem Ausgangspunkt für unsere Wanderung sogar kostenlos gewesen.

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Ruhpoldinger Holzknechtmuseum

Um uns einen langen Talhatsch zu ersparen, starteten wir mit dem Fahrrädern vom Holzknechtmuseum aus. Auf einer gut ausgebauten Forststraße gelangten wir bequem in circa 45 Minuten zur Schwarzachenalm. Auf dem Weg überholten wir einige Jugendliche in Tracht, welche schwer bepackt mit Kuchen und auf dem Weg zur Alm waren. Dies sollten wir allerdings erst später am Tag erfahren. Bei der auf 755m gelegenen Alm stellten wir die Räder ab und begannen unsere Wanderung.

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Der Beschilderung „Sonntagshorn“ folgend, liefen wir von der Schwarzachenalm nun am Kraxenbach entlang. Der Wald war wies immer mehr urwaldähnlichen Charakter auf. Auch war die Luftfeuchtigkeit aufgrund der Regenfälle der vergangenen Tage ähnlich hoch wie im Amazonas. So floss schon nach einigen Meter der Schweiß in Strömen.

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An der nächsten Abzweigung  bogen wir nach rechts gen „Vordere Kraxenbachalm, Sonntagshorn“ ab. Hier wurde darauf hingewiesen, dass der folgende Weg alpinen Charakter habe und nur von Geübten begangen werden sollte. Das Bachbett querend gelangten wir immer weiter in den Urwald der Kraxenbachtäler. Die schwüle Wärme verstärkte sich immer mehr. Die vordere Kraxenbachalm erwies sich als alte Holzknechthütte. Kurz nach der Alm lichtete sich der Wald immer mehr und wir gelangten zum Großen Sand. Nach einer kurzen Pause stiegen wir zum Großem Sand, dem Schuttfeld unterhalb der Nordwand des Sonntagshorns auf. In mittlerweile gleißender Sonne gelangten wir zum Wandfuss.

Leichte ungesicherte Kletterei bis max. II. Schwierigkeitsgrad UIAA brachte uns zur Scharte zwischen Sonntagshorn und Reifelberg. Echte Genußkraxelei! Für nicht erfahrene Kletterei existierten in der Route genügend Bohrhaken um diese adäquat zu abzusichern. Allerdings entpuppte sich das Gestein kurz unterhalb der Scharte als etwas brüchig. Über die Scharte gekraxelt und wir gelangten auf den Gipfelgrat des Sonntagshorns. Die letzten 30 Minuten führte uns der Weg über den Grat, welcher uns mit einigen kleinen leichten Kletterstellen versüßt wurden. Links von uns fiel die Nordwand steil ab, rechts lief der grüne Hang wunderschön gen Österreich aus. Ein Grat zwischen zwei Ländern, sozusagen.

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Als wir den Gipfel des Sonntagshorns erreichten, verdunkelten Wolken die Sonne und es war frischer Wind aufgekommen. Auf 1961m standen wir auf der bayerisch-österreichischen Grenze und genossen die Aussicht bis zum Kitzsteinhorn. Dieser herrliche grüne Hang lockte wirklich für eine Skitour im Winter, wir würden auf jeden Fall wiederkommen.

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Frisch gestärkt und nach ausgiebiger Gipfelpause begannen wir den Abstieg über den Ostgrat, welche gleich rechts vom Kreuz begann. Über den Grat gelangten wir zur Scharte zwischen Sonntagshorn und Aibeleck. Wir stiegen nach links in die Große Sandreise, dem Schuttfeld unter Wand ab. Da dieses sich als relativ steil erwies, konnten wir schon durch den Schutt sliden. Stefan entdeckte auf dem unteren Drittel noch einen hübschen kleinen Felsturm, welchen er in einem kurzen Abstecher erklommen. Anschließend hieß es weiter sliden bis zum Ende des Feldes. Hier tauchten wir nach kurzem Marsch wieder in den Chiemgauer Urwald ein. Vorbei an mehreren kleinen Bächen und Wasserfällen passierten wir auch einige herrliche Gumpen. Beim größten Wasserfall legten wir eine Pause ein und kühlten unserer Füße im herrlichen Nass.

Im Wald folgten wir immer weiter den Weg und passierten die „Hintere Kraxenbachalm“, einer weitern Holzknechtzuflucht. Entlang des hinteren Kraxenbachs wanderten wir bis zur Trifftklause. Hier wurden in vergangener Zeit die Baumstämme, welche über den Kraxenbach ins Tal befördert wurden, gebremst und gesammelt an einer Art Wehr.

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Schließlich erreichten wir die Abzweigung zur vorderen Kraxenbachalm. Hier gelangten wir entlang des Bachbetts wieder zurück zur Schwarzachenalm. Nach getaner Arbeit gönnten wir uns dort eine Jausenpause. Bei alkoholfreien Weizen und Kuchen, welche wegen dem Almfest in vielen Varienten von den Jugendlichen vom Morgen angboten wurden, erholten wir uns von der Tour. Gleichzeitig mussten wir neben dem Essen auch unserer Waden gegenüber vieler Pferdebremsen verteidigen, sodass wir nicht lange verweilten. Zum Schluss fuhren wir mit den Rädern über die Forststraße zurück zum Wohnmobil.

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Fazit zur unserer Bergtour auf’s Sonntagshorn:

Herrliche Tour in den Chiemgauer Alpen an der österreichischen Grenze. Nach einem kurzen Fahrradtrip taucht man in die Chiemgauer Dschungel sein bevor man an der Nordseite des Sonntagshorn in leichter Kletterei auf den Gipfelgrat kraxelt. Sehr abwechslungsreicht Bergtour, die den Namen absolut verdient. Die Kraxelei in der Nordwand sollte allerdings nicht unterschätzt und gegebenfalls bei Unsicherheit abgesichert werden.

Daten & Fakten:

  • Dauer: 7 Stunden
  • Strecke: 20,7 km
  • Höhenmeter: Anstieg 1344m, Abstieg 1344m
  • GPS-Track: Bergfex
  • Video auf unserem YouTube-Kanal

Hier noch einige Impressionen in unserer Bildergalerie:

 

 

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Schon jetzt von mir viel Erfolg für eure Alpenüberquerung !!!

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    1. miiiep sagt:

      Danke, lieb von dir! Haben wir aber zum Glück schon geschafft 😁

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      1. Wie alles schon hinter euch ? Hoffentlich war es toll und das wetter hat mitgespielt. !!!

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      2. miiiep sagt:

        Die Alpenüberquerung war mega schön und wir hatten echt Glück mit dem Wetter. Beiträge gibt’s bald 😁

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      3. Bin echt gespannt !!!!

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