Himmelblauer Attersee von oben 

Im heißen Jahrhundertsommer 2015 machten wir uns erneut im August auf, die Klettersteige des Salzkammerguts zu erobern.

Nach der zweiten Besteigung des Echernwand Klettersteigs , mussten wir uns Samstag morgen überlegen, wie der Plan für diesen Tag aussehen sollte. Allerdings wurden wir früh morgens von fröhlichen Regengeprassel auf dem Dach unsres T5-Campers geweckt. Der Tag ging ja schon mal gut los, da die Wetterprognose noch am Vorabend etwas Gegenteiliges versprochen hatte.

Dem aufmerksamen Leser ist jetzt bestimmt nicht entgangen, dass ich etwas von einem T5-Camper erzählt habe. 2015 hatten wir noch den T5, der allerdings nach jedem Trip erstmal in die Werkstatt musste, weil er wieder eine neue Macke hatte. Das Spiel haben wir bis Februar 2016 mitgemacht und uns dann entschieden, nicht weiter mit dem T5 zusammenzuleben. Wir waren einfach nicht für einander geschaffen. Nach ca. 3 Monaten ohne fahrbaren Schlafuntersatz war die Sehnsucht groß und wir fanden nach einigem Suchen unser immer noch treues Womo. Auf Korsika wurde das treue Womo dann „Liesl“ getauft.

Aber jetzt zurück zum regnerischen Samstag Morgen im August 2015. Glücklicherweise wurde das Geprassel während des Frühstücks immer weniger und irgendwann spitzte sogar die Sonne hinter einigen Wolken hervor. Somit war die Hoffnung nicht endgültig dahin, dass dieser Tag doch noch trocken und warm werden würde. Nach kurzer Recherche einigten wir uns recht flott auf den ein paar Kilometer entfernten Attersee Klettersteig am gleichnamigen See. Wir packten also unsere sieben Sachen und verliesen das UNESCO-Weltkulturerbe.

Am Attersee angekommen standen wir erstmal vor dem Problem, wo finden wir einen Parkplatz. Wer schon einmal dort war, der weiß, dass neben der Straße entlang des Sees nicht unbedingt viel Platz ist und die wenigen Parkplätze in den meisten Fällen Anwohnern oder Hotels gehören und man deshalb als Otto-Normal-Touri nicht drauf parken darf. Der in der Beschreibung auf Bergsteigen.com angegebene Parkplatz erwies sich als Hotel zugehörig, aber wir hatten Glück und fanden ein Stück weiter ortsauswärts in Weißenbach einen großen Platz, auf dem man parken durfte.

Mittlerweile hatten sich die letzten Wölkchen verzogen und dadurch brannte  die Sonne unbarmherzig auf uns herab. Nachdem wir schnell die Sachen und eine Brotzeit gepackt hatten, suchten wir den Nikoloweg. Wir folgten diesen im kühlen Wald bis zum Jaga-Wolferl-Graben, welcher an der Tafel C des Schutzwald-Lehrpfades zu erkennen war. Zum Glück ist der Attersee Klettersteig gut ausgeschildert und so bogen wir dort rechts ab. Es ging steil bergauf bis zum Einstieg des Klettersteiges, wo wir auch schon auf einige Gleichgesinnte trafen. Zum Glück waren es dann doch nicht so viele wie bei der Besteigung des war und wir würden bald feststellen, dass sich die Menge an Leuten auf diesem langen Klettersteig gut verteilen würde.

 

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Kurz nach dem Einstieg.

Vom Anseilplatz führten dann die ersten Meter Stahlseil über einen Kamin (A) zur „Lärche“ (A/B). Ab der „Lärche“ sollte man bis zur „Grotte“ keine Rast einlegen, denn hier herrscht hohe Steinschlaggefahr. An der „Lärche“ konnte man schon die ersten Ausblicke über den Attersee erhaschen, bevor man sich Richtung „Schlucht“ begab. Kurz vor der „Schlucht“ trafen wir auf das erste steile C-Stück, welches aber gut mit Stahlstiften zu bewältigen war. Von der Schlucht (A/B) führte uns ein B/C-Stück mit guten Tritten und Griffen, abwechselnd mit einigen leichteren Passagen und einem weiteren B/C-Stück zur „Grotte“. Die „Grotte“ lag in einem langen Riss in der mächtigen Weißen Wand, die über dem Attersee thront. Mittlerweile konnte man schon fast den ganzen gewaltigen  Attersee überblicken. Und es würde hier das letzte schattige Plätzchen sein, bis wir den Gipfel erreichen sollten.

 

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Die Grotte.

Von der „Grotte“ musste man erstmal einen  kleinen Aufschwung (C) bewältigen bevor es entspannter Richtung „Hühnerleiter“ (B, A/B) verlief. Ab hier befanden wir uns dann auch schon in der Riesenplatte, welche gut mit Stahlstiften versehen war und bis zum Wald führen sollte. Nach der „Hühnerleiter“ wurde die Wand überhängend und wir bewältigten die erste Schlüsselstelle, den „Schokoladenüberhang“ (D). Hier müssten wir uns ganz schön anstrengen und leider waren die Griffe im Fels zum Teil sehr brüchig, sodass Stefan unfreiwillig einen kurzen Abstecher zum letzten Sicherungspunkt machte. Glücklicherweise zog er sich keine Verletzungen zu und das Steigset hatte auch nicht ausgelöst. Zur Erholung fanden wir im „Waschbrett“ B- und A/B-Stücke vor. Bevor es die wohlverdiente Pause am „Wald“ geben sollte, musste noch kurze schwierigere Passage (C,B) erklommen werden. Vor uns eröffnete eröffnete sich ein kleines, spärlich bewaldetes Hochplateau (A), welches zum Rasten einlud. Gesagt, getan, wir packten unsere Brotzeit aus. Nach 400 Höhenmeter hatten wir uns eine Pause redlich verdient. An diesem Morgen war allerdings zum Brote schmieren keine Zeut mehr gewesen, sodass wir nun unseren Laib Brot, ein Messer und das Nutellaglas auspackten. Dies führte doch etwas zur Verwunderung der benachbarten Pausierenden.

Nachdem der Blutzuckerspiegel wieder normale Werte angenommen und wir unseren Durst gestillt hatten, klickten wir für Karabiner wieder ins Seil und begannen den Aufstieg über den „Sattel“ (B,B/C,B) auf den „Zackengrat“. Nach einem kleinen B/C-Stück verlief der Steig mehr als unschwierige versicherte Grarwanderung über den „unteren Zackengrat“ (rein A) bis zum Ende des „oberen Zackengrates“ (B, B/C, A, B). Der Ausblick war zwar grandios, aber der Grat war irgendwie zäh und gefühlt unendlich. Am Ende des oberen Grates trafen wir auf die „Schlusswand“. Diese sollte nochmal echt knackig werden. Nach einem kurzen C-Stück, wieder gut mit Stahlstiften versehen und anschließender Erholungspassage (A,B), gab es dann die zweite und letzte Schlüsselstelle (D). Mit einigen schnellen und kräftigen Zügen war der Überhang überwunden. Allerdings folgten  bis zum Ausstieg noch kurze B/C- und C-Passagen. Am Austieg angelangt, konnten wir uns nach erfolgreich absolvierten Klettersteig auch in das dort angebrachte Steigbuch eintragen. Vom Buch waren es nur wenige Minuten bis zum Gipfel des Mahdlgupf (1261m). Hier gönnten uns eine ausgiebige Gipfelrast mit Nutellabroten. Vor uns öffnete sich das Panorama des kompletten Attersees und wir konnten sogar den Mondsee erkennen.

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Irgendwann mussten wir uns vom Gipfel loseisen und begannen den Abstieg, der uns zur Scharte des Schobersteins führte. Dort folgten wir dem Wanderweg bergab Richtung Weißenbach, der uns zunächst noch etwas durch stahlseilversicherte Geröllpassagen auf einen ziemlich langweilig monotonen Waldweg führte. In Serpentinen gings dann nach Weißenbach und zurück zum T5.

 

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Ausblick vom Gipfel des Mahdlgupfs.

Fazit zum Attersee Klettersteig:

Herrlicher Genussklettersteig in grandioser Kulisse. Obwohl nur zwei D-Stellen sollte die Länge des Steiges mit seinen 1200 Meter Stahlseil keines Falles unterschätzt werden. Vorallem die Schlusswand hat es nochmal in sich. 30 Minuten Zustieg sind angenehm, die 600 Höhenmeter in 3,5 Stunden im Klettetsteig selbst vergehen wie im Flug. Dass der Steig eigentlich direkt am Gipfel endet ist ein besonderes Schmankerl. Dagegen ist der Abstieg mit 1,5-2 Stunden schon sehr zäh. Aber immerhin hat man zum Schluss knappe 900 Höhenmeter in 5,5-6 Stunden bewältigt. Insgesamt absolut empfehlenswert, wenn sich nicht kindertauglich. Sollte in jedem Klettetsteig-Tourenbuch stehen.

Infos und Topo auf Bergsteigen.com

Hier noch einige Impressionen in unserer Bildergalerie:

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. wunderschöne Aufnahmen von der Tour und dem schönen See im Salzkammergut ! War bisher 1 x dort in Weyregg !!!

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    1. miiiep sagt:

      Danke! Auf jeden Fall musst du mal an den Attersee fahren, der ist einfach traumhaft. Wobei Hallstadt natürlich auch wunderschön ist.

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      1. Kenne so gut wie alle Seen im Salzkammergut ! Traunsee, Attersee, Mondsee, Wolfgangsee, Fuschlsee , Gosausee und natürlich den Hallstätter See. Habe dort früher schöne Ferien verbracht ! Eine herrliche Gegend bei schönem Wetter !

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      2. miiiep sagt:

        Dann hast du bestimmt auch viele tolle Bilder, oder?!

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      3. Ja aber leider nur Papierfotos !!!

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