Welcher ist der Richtige?!

Im Laufe meiner Kletterkarriere hatte ich schon so einige, jeder war anders und hatte seine Vor- und Nachteile. Die Rede ist von Kletterschuhen, aber welcher ist der Richtige? Meiner Erfahrung nach, kann ein Schuh gar nicht alle Bereiche abdecken. Aber nochmal ganz von vorn.

Der Einsteiger:

Mein erster Kletter- bzw. ja eher Boulderschuh war damals ein Slipper der Marke 5.10. Eigentlich ein super bequemer Schuh. Leider wurde ich damals falsch beraten, so vermittelte er bereits nach wenigen Stunden das Gefühl eines Hausschuhs. Der Schuh wurde mir zu groß verkauft, dehnte sich dazu noch schnell aus. Ein Slipper hat den Nachteil, dass man ihn nicht nachziehen kann, da er weder  Schnür- noch Klettverschluss hat.

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Der Allrounder:

Kurze Zeit später leistete ich mir dann mein zweites Paar, diesmal aus dem Fachgeschäft. Etwas kleiner und mit Velcro (Klett-) Verschluss und mit wenig Vorspannung der Marke Red Chilli. Der Schuh passte sich ziemlich schnell an den Fuß an. Aufgrund der unsauberen Neueinsteiger-Fußtechnik hielten die Schuhe genau 3 Monate bei 3-4 Bouldersessions pro Woche. Insgesamt wurden die Spitzen zwei mal neu „besohlt“, bis der Schuh seinen Ruhestand erreicht hat.

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Der Günstige:

Danach folgten erstmal ein paar günstigere Boulderlatschen von Millet, bis eine schuhschonend Klettertechnik verinnerlicht wurde. Diese hatten auch wieder kaum Vorspannung, erfüllten aber ganz ihren Zweck und begleiteten mich etwa ein Jahr durch die Hallen und manchmal sogar im Frankenjura.

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Der Präzise:

Durch die steigenden Schwierigkeitsgrade und damit kleineren Tritte, wurde es allmählich Zeit für vorgespannte Folterschuhe. Zumindest redet man sich diesen Schritt irgendwann ein. Die Entscheidung viel auf ein Model des italienischen Fabrikanten LaSportiva mit Schnürung, um den Schuh besser an den Fuß anpassen zu können. Der Nachteil solcher Präzisionstreter liegt klar auf der Hand, bzw. auf dem Fuß – sie sind einfach nicht so bequem, zumindest nicht auf Dauer. So freut man sich nach jeder Route, die gequetschten Stinker wieder an die Luft setzen zu dürfen. Lange Boulderabende wurden so eher schmerzhaft. Dieser Schuh ist immer noch mein Favorit bei schweren Sportkletterrouten im Frankenjura.

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Der Bequeme:

Fürs Bouldern legte ich mir bald wieder bequeme Patschen zu, um die inzwischen mit Löcher an den großen Zehen für die Frischluftversorgung abgerockten Millet zu ersetzen. Ein Paar Rock Pillars stachen mir im Shop der Boulderhalle ins Auge, als ich mal wieder mit schmerzenden Zehen auf der Matte saß. Kaum vorgespannt, Slipper für schnelles an- und ausziehen, und ein Klettverschluss, um den Schuh etwas fester zu bekommen. Von da an stand dem stundenlangen Bouldern nichts mehr im Weg. Leider war die Sohle nicht für draußen geeignet, wie ich fand, was etwas schade ist.

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Der MSL-Schuh:

In unserem ersten Arco-Urlaub stellte sich schnell heraus, dass meine LaSportiva-Präzisionstreter für das Plattenklettern so gar nicht geeignet sind, und schon gar nicht für lange Mehrseillängen, die auf dem Plan standen. Beim abendlichen Bummeln durch die kleine italienische Innenstadt fand ich einen super-bequemen Schuh, der mir damals noch unbekannten Marke Tenaya. Minimal vorgespannt und zum Schnüren – optimal für die Platten und nach etwas eintragen, kann man diese auch den ganzen Tag am Fuß ertragen. Inzwischen hat sich der Tenaya zu meinem Lieblingsschuh gemausert. Er ist bequem, bietet genügend Reibung und trotz der nur geringen Vorspannung, kann gut auf kleinen Leisten gestanden werden.

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Der Hallenspezialist:

Irgendwann kam zwischendurch noch das Scarpa Topmodell hinzu, zumindest wenn man der Verbreitung dieses Schuhs in den Hallen glauben darf, als Zwischenlösung fürs Hallenklettern, wo die Boulderpatschen zu weich und die Präzisionstreter zu unbequem und übertrieben sind.

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So hab ich für jeden Klettersport inzwischen den passenden Schuh. Demnächst kommt ein Weiterer hinzu, da mein Favorit, der Tenaya, sich am besten klettern lässt, aber durch seine Schnürung zeitintensiv  bei mehrmaligem An- und Ausziehen ist, wird eine Velcro-Version dieser Familie mein Schuhregal ergänzen.

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Mein Erfahrung:

Jeder Schuhtyp hat seine Vorteile, aber auch seine Nachteile. Schnürer kommen für mich nur noch in langen, alpinen Touren in Frage. Das Anziehen ist aufwendiger, dafür kann der Schuh besser angepasst werden.

Klettverschluss ist super, wenn man den Schuh ständig an- und ausziehen muss.

Bei langen Boulderabenden sind Slipper vollkommen ausreichend, lediglich beim Hooken kann es mal Probleme geben.

Vorspannung macht nur in den oberen Schwierigkeitsgraden Sinn. Solange ausreichend große Tritte zur Verfügung stehen, kann man beruhigt zu den bequemeren geraden Leisten greifen. Auch beim Klettern auf Platten mit Reibung sind Sohlen mit mäßiger Vorspannung von Vorteil.

Für mich macht es auch Sinn, separate Schuhe für Halle und Fels zu haben. Die teure Vibram-Sohle muss man so nicht in Form von Staub in der Halle verteilen, zumal sich die Schuhe in der Halle um einiges schneller abnützen. Auch der Hallenbetreiber wird es danken, den Dreck von draußen nicht an seinem Plastik und Wänden wieder zu finden.

In Sachen Größe gibt es keinen Mastertipp, da sich jeder Schuh unterschiedlich weitet. Wenn er allerdings bei der Anprobe schon bequem und locker sitzt, wird man damit keine Spaß habe. Heutzutage sollte ein Kletterschuh aber auch nicht übertrieben Schmerzen verursachen, dann ist er wahrscheinlich zu klein gekauft.

Ebenso sollte man sich nicht auf Hersteller festlegen, jeder Hersteller hat unterschiedliche Leisten und passen demnach zu unterschiedlichen Fußtypen. Hier muss man einfach testen, und sich nicht von Meinungen anderer Beirren lasse. Wie ihr oben gelesen habt, hab ich schon einiges an Marken durch, bin aber extra nicht genauer auf Marken und Modelle eingegangen.

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  1. sehen alle schick aus aber leider kann ich da nicht mitreden !!! Finde ich aber gut euren Beitrag und hoffe auf viele Antworten !!! Manni

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