Wie aus 10 Gipfeln Null wurden

Der Schatz war in Arco zum Jahresauftaktsklettern und ich konnte nicht mit, denn ich musste zwar das Wochenende mal nicht arbeiten, aber den Freitag hatte ich nicht frei bekommen. So reifte die Entscheidung als kleinen Ausgleich ein Mädelswochenende zu planen.

Der Masterplan

Der ursprüngliche Plan wurde circa zwei Wochen vorher gefasst. Wir hatten uns die Spitzing Reib’n ausgesucht. Über alle 10 Gipfel sollte es auf 33 Kilometer mit circa 2600 Höhenmetern einmal um dem Spitzingsee gehen. Die Albert-Link-Hütte, welche genau auf der Hälfte der Strecke gelegen ist, hatte keine Platz mehr für uns. Also, musste eine Alternative her. Dies war für uns das Rotwandhaus, sodass wir die Strecke in 60% am Samstag und 40% am Sonntag aufteilen wollten. Die Wetterprognose war zunächst kühl aber insgesamt trocken. Doch es sollte alles anders kommen….

 

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Die Albert-Link-Hütte.

 

Alternativplan – dringend

Die Wetterprognose verschlechterte sich im gleichen Maße, je näher das Wochenende rückte. Grödel hatten wir alle wohlweislich schon, allerdings bereitete uns der prognostizierte starke Schneefall doch sorgen. Als guter Allround-Wintersportler hat man zwar eine LVS-Ausrüstung und Schneeschuhe zu hause, allerdings hatten meine Mädels kein solches Equipment. Dadurch stand erstmal die Frage im Raum, wo kriegen die Beiden die Sachen geliehen in der Metropolregion und wie machen wir das mit der Lawinenkunde. Die Ausrüstung wurde dann günstig bei einem Outdoorladen in Nürnberg, welcher auch in Fürth eine Filiale hat, ausgeliehen. Freitag Abend trafen wir uns dann im Fürther Stadtwald um bei frühlingshafter Witterung einen Lawinencrashkurs inklusive LVS-Training zu veranstalten. Nach 3 Stunden funktionierte die Rettung des Pieps aus dem knietiefen Laub hervorragend und auch die wichtigsten theoretischen Basics waren an den Mann… pardon, an die Frau gebracht.

Zur Alternivroute wurde die Rotwandreib’n auserkoren. Allerdings war der Wetterbericht nun schon wieder anderer Meinung, er prognostizierte nun den kompletten Samstag Regen bei Windstärke 6-7. Wenn das mal gut gehen würde…

Vor Ort – Plan C

Am frühen Samstag morgen machten wir uns auf zum Spitzingsee. Ab München herrschte – wie vorausgesagt – Dauerregen, welche uns den ganzen Tag begleiten sollte. Somit entschieden wir uns, von der Talstation der Taubensteinbahn zum Taubenstein aufzusteigen um von dort zum Rotwandhaus zu gelangen. Die Schneeschuhe angeschnallt folgten wir der aufgelassenen Piste zur Bergstation. Nach circa 2/3 der Strecke ging der Regen in Schnee über, von dem versprochenem Wind war weit und breit nichts zu spüren. Die Ruhe vor dem Sturm sozusagen. Am Taubensteinsattel angekommen, wollten wir dem Taubensteinhaus einen kleinen Besuch abstatten. Ein warmes Mittagessen und etwas Trocknem würden uns gut tun. In der Hütte verursachten wir im Trockenraum erstmal kleine Seen und auch aus den Handschuhen lies sich ein kleiner Bach wringen. Zu unserem Erstaunen saßen in der Stube sogar noch 4 weitere Personen, alle hart gesottene Skitourengeher. Während wir die wärmende Suppe genossen und etwas vor uns hin trockneten, begann draußen das Geheule des Windes. Das hörte sich nicht gut an…
Zum Rotwandhaus, oder doch nicht?!

Frisch gestärkt beschlossen wir uns vom Wind nicht abhalten zu lassen. Der Weg durch die Senke unterhalb des Taubensteinhauses war uns dann doch nicht geheuer, da an den umliegenden Berghängen schon kleinere Nassschneelawinen abgegangen waren. Die Wahl fiel dadurch auf den Weg über dem Taubenstein. Schon auf dem Weg zurück Sattel wurden wir allerdings mehrfach umgepustet, sodass uns auch dieser Weg verwehrt blieb. Schweren Herzens begannen wir dem Abstieg.

Ein kurzer Abstecher auf die Schönfeldhütte um dort ein Nachtlager zu ergattern, scheiterte an einer Privatveranstaltung. Netterweise organisierte uns die Hüttenwirtin aber dann doch ein Lager in Albert-Link-Hütte. Puh, nochmal Glück gehabt. Also, weiter die ehemalige Piste wieder bergab. Nachdem das letzte Stück zur Talstation mit über 30° relativ steil war, rutschen wir einfach den Hang hinunter. An der Talstation hatten wir dann wieder handyempfang, sodass wir uns brav, wie gute Bergsteiger nun mal sind, beim Rotwandhaus abmeldeten. „Ist ja kein Problem, ist eh scheiß Wetter“, gab’s zur Antwort.

Wir machten uns nun auf zur Albert-Link-Hütte. Zunächst mussten wir bis zum Ende des Spitzingsees laufen, die Schneeschuhe unterm Arm, bevor wir Richtung Valepp und der Hütte den Ort wieder verliesen. Zunächst noch Waldweg, querten wir alsbald auf die noch schneebedeckten Pisten. Hier hieß es wieder die Schneeschuhe anzuschnallen. Es regnete übrigens immer noch…. Schlussendlich kamen wir an der Albert-Link-Hütte an und waren froh dem Regen endlich entrinnen zu können. Der Trockenraum roch echt übel, denn nicht nur wir hatten dort unserer nassen Sachen untergebracht. In trockenen Klamotten gönnten wir uns zunächst eine warme Dusche, bevor wir uns das redlich verdiente Abendessen machten. Der Kaiserschmarrn wie auch die Käsespätzle sind sehr zu empfehlen! Bei Punsch, Bier und Wein ließen wir den gemütlichen Hüttenabend ausklingen.

 

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Schoko-Schmarrn.

 

Der nächste Tag

Der Sonntag morgen begrüßte uns neben langsam abnehmenden Regen auch mit einem herrlichen Frühstück. Frisch gestärkt machten wir uns wieder auf den Weg. Aufgrund des Regens hatte über Nacht die Lawinengefahr massiv zugenommen, sodass wir wieder mal umplanen mussten. Wir entschieden uns zunächst wieder zur Taubensteinbahn zu laufen. Die Schneeschuhe kamen nicht mehr zum Einsatz und dienten als Trainingsgewicht, denn der meiste Schnee war verschwunden. Übrig blieb nur eine vereiste Firnschicht. Also, Grödel raus und weiter ging’s.  Am Auto angekommen, hatte zwar der Regen gänzlich nachgelassen, aber es blieb klammes grau bewölktes Wetter.

 

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Und am nächsten Morgen war der Schnee fast verschwunden.

 

Der Firstalmen-Rundweg

Den Abschluss unserer Tour wollten wir gemütlich angehen und so parkten das Auto am Spitzingsattel. Vor dort aus ging es die Forststaße, welche im Winter auch als Rodelstrecke dient, Richtung Oberer Firstalm. Nach circa 45 Minuten erreichten wir diese und liefen über den Hang hinab zur Unteren Firstalm. Ohne Skifahrer wirkte die Alm sehr verlassen. Die Straße zur Alm brachte uns schließlich in 60 Minuten wieder zurück auf den Spitzingsattel. Hier konnten zuvor noch die tolle Aussicht auf den Spitzingsee genießen. Bei Kaffee und Kuchen am Spitzingsattel ließen wir unseren Ausflug schließlich ausklingen.

 

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Die Untere Firstalm.

 

Fazit zu unserem Spitzingsee-Wochenende:

Die Wettergötter waren uns definitiv an diesem Wochenende alles andere als wohlgesonnen. Aus den geplanten 10 Gipfel wurden plötzlich 0 Gipfel. So schnell kann es gehen. Immerhin schafften wir Samstag eine Strecke von 14,6 Kilometer mit 1034 Höhenmetern auf 6:40 Stunden. Sonntag war dagegen sehr entspannt und bewältigten lediglich 11,55 Kilometer und 3,63 Höhenmeter. Der Firstalmen-Rundweg ist sehr gut für Kinder und Hunde geeignet. Selbst Kinderwägen können mitgenommen werden, wenn man die Verbindungsstraße von der Oberen zur Unteren Firstalm nimmt und nicht den Wanderweg am Hang nutzt.

Nichts desto trotz hatten wir ein lustiges, wenn auch nasses Wochenende, an dem alles anders als geplant kam.

Hier noch einige Impressionen in unserer Bildergalerie:

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Die geplante Tour ist ja im wahrsten Sinne des Wortes „ins Wasser gefallen“ ! Kann natürlich passieren aber ihr habt das beste daraus gemacht !!!! Manni

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    1. miiiep sagt:

      Oh ja 😂 Aber das was der ultimative Test für die Hardshellklamotten… und sie haben bravourös bestanden.
      Der Schoko-Schmarrn auf der Albert-Link-Hütte ist ein kulinarische Highlight und wärmstens weiter zu empfehlen!!!! 😋

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      1. Hauptsache ihr hattet spass !! Schöne ostern !!! Manni

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      2. miiiep sagt:

        Dir auch frohe Ostern 🐣 🐰!

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