Das erste Mal…

Zugegeben, mein Einstieg in die Kletter- und Bergsteigerwelt war relativ spät. Ich hatte die magische Grenze der 30 schon passiert, als eine neue Boulderhalle in der Gegend eröffnete. Bis Dato konnte ich dem Klettern nichts abgewinnen und konnte mir somit auch nicht viel unter der „neuen“ Sportart – es war gerade die Geburtsstunde des Boulderbooms in der Metropolregion angebrochen – vorstellen. Dem neugierigen Freundeskreis geschuldet, standen wir also ein paar Tage nach der Eröffnung in besagter Boulderhalle, etwas überfordert von den ganzen bunten Griffen an den niedrigen aber meist überhängenden Wänden. Die Leihschuhe waren unbequem und die Luft war staubig vor Chalk – wie kann einem das nur gefallen?! Nach einer Stunde hatten wir viele der leichten Routen irgendwie geschafft… Viel Kraft und wenig Technik ließen schnell Muskeln und Gelenke schmerzen. Bald machte sich auch das erste Staunen breit, da es anscheinend doch möglich ist, die Routen mit den kleinen, kaum vorhandenen Griffen hochzukommen, wenn man die etwas erfahrenen Boulderer beobachtete. Schon etwas frustrierend. Das war also das erste Mal bouldern… Die nächsten Tage waren von Muskelkater und Blasen an den Händen gezeichnet. Warum manche sich das regelmäßig antun, konnten wir noch nicht nachvollziehen, der Funke war aber schon längst übergesprungen. Die nächsten Wochen musste ich dann erstmal eine Eishockey-Verletzung auskurieren, das Bouldern war dadurch erstmal wieder aus dem Bewusstsein verschwunden. Nach 2 oder 3 Monaten ging es dann Mal wieder in eine Boulderhalle, in die Bekannteste unserer Gegend. Danach ging es relativ fix, die ersten Schuhe wurden gekauft, Chalkbag samt Inhalt und für die Bewegung geeignete und modische Boulderhosen folgten zeitnah. Ich glaube, den Rest brauche ich nicht weiter erläutern.

Kaum war die Boulderausrüstung komplett und regelmäßig in einer der Hallen eingesetzt, stand der Sommer vor der Tür. Das Frankenjura lockte mit tausenden von Kletterrouten. Warum also in eine staubige Halle zum Schwitzen und Schinden gehen?! Seil, Karabiner und Exen waren in einem der Bergsportläden schnell gekauft, ebenso wie ein aus der Arbeit schon bekanntes und sicher beherrschtes Sicherungsgerät zugelegt. Die Handhabung von Seil, Knoten und Sicherung stellte aufgrund der beruflichen Vorkenntnisse keine Probleme dar. Entgegen der verbreiteten Meinung des DAV brachte ich mir also das klettern selbst bei, ganz wie in den guten alten Zeiten. Der erste Felsen, der Riffler in der Hersbrucker Schweiz, wurde angesteuert. Fix wurde ein Topropeseil eingehängt und schon konnten wir die ersten Kletterzüge an richtigen Gestein vollziehen – herrlich. Nachdem der Topropebereich nach einer Stunde abgegrast war, erfolgte der erste Versuch im Vorstieg. Mehr schlecht als recht, kam ich immerhin bis zum zweiten oder dritten Bohrhaken. Was nun, man will ja das neue Material nicht gleich in der Wand hängen lassen?! Im Hinterstübchen gekramt, und schon war auch der erste Umbau zum Abseilen erledigt. Klettertechnik unterscheidet sich doch nur unwesentlich vom Industrieklettern, nur eben mit Fels.

Den ganzen Sommer zog es uns ins Frankenjura, im Winter und bei schlechtem Wetter dagegen in die staubigen Boulder- und Kletterhallen. Die Fortschritte waren enorm und es stand eine vielversprechende Saison bevor. Als Rückschlag kam dann im März ein Bänderriss im Sprunggelenk. Zwei bis drei Monate Kletterpause, und mindestens 6 Monate nicht Bouldern. Die Muskeln verkümmerten wieder. Nach vollständigem Ausheilen, war es im Juni endlich wieder so weit, das erste Mal nach der langen Pause ging es wieder an meinen Lieblingsfels. Sehr wackelig und unsicher stieg ich in die leichten Seillängen ein. Diese Unsicherheit verfolgte mich den ganzen Sommer und richtig weiter kam ich dadurch letztenendes auch nicht.
Im Juli ging es mit meinem Schatz das erste Mal in die Berge, genauer gesagt ins Dachsteingebirge am Gosausee. Meine ersten alpinen Klettersteige standen bevor. Ja, im Gegensatz zum Fränkischen Haus-Klettersteig gibt es diese Steige auch senkrecht, und nicht nur als Traverse um einen Felsblock rum. Eine neue Leidenschaft war geboren und es folgten seitdem viele Weitere. Trotz der Rückschläge im Freiklettern zieht es mich seitdem immer wieder zum Bergsteigen in die Alpen. Und schon bald wollte ich mehr.


Im Herbsturlaub habe ich mit meinem Kletterpartner ein paar Klettertage eingeplant. Es stand unsere erste alpine Mehrseillängen-Tour auf der ToDo-Liste. Wir entschieden uns für die Kampenwandüberschreitung bei Aschau. Neben leichter Kletterei zum Erlernen und Austüfteln des Standplatzbaus konnten wir die Aussicht über den Chiemsee nach Norden, und die Bergketten nach Süden bewundern. Ein herrlicher Tag und für mich das Zeichen gegen meine Unsicherheiten nach der Verletzung anzukämpfen.


Eine neue Wintersaison stand vor der Tür. Nach fast 10 Jahren war ich das erste Mal wieder im Skiurlaub. Der Faszination der Winterbegehung der Alpspitze geschuldet, entschlossen wir uns für einen Tageskurs – nein, Skifahren konnten wir ja schon – wir wollten das Eisklettern ausprobieren. Mit einem Bergführer der ortsansässigen Skischule begaben wir uns ins ewige Eis des Hintertuxer Gletschers, wo wir die Grundlagen erlernten. Total geschafft von dem kraftraubenden Sport und der Kälte, waren wir in den Tagen danach erstmal nicht so angetan, aber umso mehr Zeit verging, desto mehr begann sich die Leidenschaft zum winterlichen Bergsteigen zu entwickeln. Als logische Konsequenz folgten nach und nach die Ausrüstungsgegenstände.

Im neu eröffnetem Sportgeschäft entdeckten wir im gleichen Winter ein gutes Angebot eines Skitourensets. Die Winterpause für Kletterer ist lang, das zeitliche Fenster für Eisklettern sehr kurz und für uns mit langen Anfahrten verbunden. Das Skibergsteigen als winterlichen Ausgleich zog uns so in seinen Bann. Allerdings musste die erste Skitour bis in den Januar warten, dann lag endlich genug Schnee am heimischen Ochsenkopf. Durch die winterliche Landschaft ging es auf den höchsten Berg Frankens, anschließend über die dortige Piste wieder nach unten. Herrlich so eine Piste, wenn man nicht mit dem Lift nach oben gekarrt wird. Was man sich erarbeitet hat, kann man anschließend umso mehr genießen, so auch beim Skibergsteigen.

Im Februar folgte ein Mixed-Urlaub mit Skifahren, Eisklettern und einem Lawinenkurs mit den ersten alpinen Skitouren. Das Skibergsteigen ist seither fester Bestandteil unserer Planungen, und wir müssen im Winter auf unsere ersehnten Gipfelerfolge nicht verzichten.

Den Rest könnt ihr inzwischen in unseren zahlreichen Blogbeiträgen nachverfolgen. So folgte im Sommer der erste 3000, die erste (Ski)Hochtour und weitere erste Male, die wir wahrscheinlich nie vergessen werden.

Seit diesen ganzen ersten Malen dreht sich bei uns fast alles ums Bergsteigen, sei es wandernd, kletternd oder mit den Skiern. Jeder bestiegene Gipfel ist im Prinzip ein neues erstes Mal. Überhaupt kann man sich dabei ständig über dieses Gefühl erfreuen. Die erste Skitour der Saison mit kaum Schnee und viel Grün im Frühwinter, das erste Klettern der Saison bei den ersten Sonnenstrahlen und frühlingshaften Temperaturen. Jede Tour und jedes Vorhaben ist in den Bergen ein erstes Mal. Ich glaube genau das ist es, was das Bergsteigen von anderen Sportarten unterscheidet und zur Leidenschaft macht. Die zahlreichen Möglichkeiten einen Gipfel zu erklimmen, alle auf ihre ganz besondere Art und Weise. Es ist die Vielfältigkeit, die niemals Langeweile aufkommen lässt. So werden uns auch in Zukunft noch viele erste Male bevorstehen, auf die wir uns natürlich jetzt schon freuen.

rimg0776

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. wunderschöner Beitrag die die Faszination der Berge wiederspiegelt ! Dankeschön für den Artikel und die Fotos ! und ich sage „alle Achtung “ !!! Manni

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    1. kraxxler sagt:

      Danke, so ein Feedback liest man gerne!

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  2. romanaontop sagt:

    Klasse Beitrag. Ich bin zwar schon lange ein Bergfex, aber habe erst seit dieser Woche mein erstes Mal „Klettern am Fels“ hinter mir und konnte mich da gerade sooooo gut hineinversetzen beim Lesen. Die ersten Male sind irgendwie immer am Schönsten! Liebe Grüße!

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  3. Cindy sagt:

    Hmm klettern interessiert mich, aber ran getraut habe ich mich noch nicht und auch ich bin leider weit über die 30. Toller Beitrag. LG, Cindy

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  4. conn sagt:

    Gut, dass dich deine Freunde zu deiner neuen Leidenschaft geführt haben. Ich liebe auch die Berge und kann nicht mehr ohne sie sein. Das Klettern ist nicht ganz mein Fall, nur leichte Kategorien sind da schon eher was. Wünsche dir / euch viel Spaß weiter auf euren Touren und Kletterpartien.
    Viele Grüße. Conny

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