Der falsche Gipfel

So, unser Winterurlaub hatte begonnen und wir waren am Samstag frisch, munter und voll motiviert Richtung Bayerisch Gmain aufgebrochen. Das Örtchen liegt direkt neben Bad Reichenhall, gehört aber dennoch zum Berchtesgadener Land. Nachdem es in den letzten Tagen stark geschneit hatte und auch die nächsten Tage nicht anders werden sollten, waren die Schneeverhältnisse Eins A zum geplanten Skitouren gehen. Nur der Lawinenlagebericht machte uns noch etwas Sorgen, denn Lawinenstufe 3 unterhalb und Stufe 4 oberhalb der Waldgrenze waren jetzt nicht wirklich vertrauenserweckend. Aber wir mussten ja Samstag erstmal anreisen.

Nachdem es mal wieder einen etwas längeren Stau auf der A8 nach München gegeben hatte, waren wir relativ spät dran. Aber leider zu früh um schon im Hotel die Räumlichkeiten beziehen zu dürfen. Also, musste im dichten Schneefall mal wieder ein spontaner Alternativplan her. Nach etwas Kopfzerbrechen, dann die zündende Idee. Wir krochen von Bayerisch Gmain in der Autoschlange nach Berchtesgaden um uns das Salzbergwerk Berchtesgaden anzusehen. Wir waren beide zuletzt vor 20 Jahren dort gewesen und bestimmt hatte sich was verändert. Zusätzlich sind die Erinnerungen an die jeweiligen Besuche natürlich im Laufe der Zeit verschwommen und in Vergessenheit geraten.

Für die Salzwelt, also das Bergwerk, muss man 16,50 Euro berappen und die Führung dauert mit Einkleiden und Rückgabe der Bergmannskluft circa 1,5-2 Stunden. Wir hatten Glück und wurden spontan noch in die zeitnah abfahrende Bahn gesteckt, somit blieb uns längere Wartezeit erspart. Die Bergmannskluft ist nicht mehr zweiteilig aus Hose und Jäckchen, sondern mittlerweile trägt man einen schwarzen Einteiler mit Leuchtstreifen auf den Hosenbeinen. Mit dem Bähnchen ging es dann ins Bergwerk und auf der ganzen Führung durfte man immer noch zweimal Rutschen. Da darf man wieder Kind sein. Die Führung ist heutzutage sehr multimedial geprägt und wirklich toll gestaltet. Lichtinstallation bei der Salzseeüberfahrt schaffen ein ganz besonderes Flair. Nach Ende der Führung fuhren wir mit dem Bähnchen wieder nach oben und gaben unserer Klamotten zurück. Tolles Salzbergwerk mit super modernen Elementen während der Führung. Der Besuch hatte sich wirklich gelohnt.

Jetzt aber schnell ins Hotel, einchecken und Zimmer beziehen. So hatten wir schnell die 18 Uhr erreicht und es wurde Abendessen serviert. Die Prognose des Lawinenlageberichts war jetzt nicht wirklich aufbauend, was die vor abendliche Tourenplanung doch sehr schwammig machte, aber zwei Touren kristallisierten sich heraus.  Sonntag morgen demnach erneut den Lagebericht gecheckt, zumindest war die Lawinenstufe etwas nach unten korrigiert worden, allerdings die Ausrichtung der sicheren Hänge hart sich noch etwas verändert. Zum Glück lag unsere geplante Toure dann in der richtigen Himmelrichtung und der Weg sollte nicht oberhalb der Baumgrenze liegen, denn wir wollten auf den Predigtstuhl.

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Nach dem Frühstück schnell die Sachen gepackt und die 12 Minuten nach Bad Reichenhall gedüst und das Auto beim Parkplatz am Kletterwald „Outdoor Baumgarten“ angestellt. Dann … der Schock: wir hatten doch glatt im Eifer des Gefechts unsere Tourenstiefel im Zimmer vergessen. Somit hieß es schnell zurück um die Stiefel zu holen und 30 Minuten später am mittlerweile rammelvollen Parkplatz noch ein Eckchen zu ergattern.

 

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Entlang der Röthelbachstraße.

Anscheinend wollte an diesem Sonntag komplett Bad Reichebhall auf „unseren“ Berg, denn es tummelten sich allerlei Tourengeher dort. Wir reihten uns also in die lose Schlange ein, welche sich allerdings nach den ersten paar hundert Metern schon auseinanderzog. Als Flachlandfranke ist man ja auch nicht so schnell wie die Einheimischen, die zum Teil in bester Trailrunningmanier gen Gipfel eilten. Jedenfalls führte der Weg die erste Stunde auf einer gut gespurten Forststrasse, der Röthelbachstrasse, mit max. 19% Steigung – was uns die Verkehrsschilder verrieten – gemütlich bergauf. Es ging immer weiter ins Tal hinein, unter uns plätscherte ein Bach und die Felsen am Wegesrand zierten herrliche Eisformationen.

 

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Die Röthelbachklause.

Nach ca. der ersten Stunde erreichten wir die Anzweigung in den Wald, welche zur geschlossenen Röthelbauchklause (940m) in einer Lichtung führte. Ab hier weitete sich das Gelände etwas auch der Wald, in dem wir nach kurzer Zeit wieder eintauchten, wurde weitläufiger. An der Schlegelalm betraten wir wieder freies Gelände und es wurde steiler und der Schnee tiefer. Hier sah man auch die vielen anderen Tourengeher wieder. Es ging immer weiter im freien Gelände bergauf, gleichzeitig zog dichter Nebel auf, es begann wieder zu schneien und ein kalter Wind fraß sich langsam in die Knochen. Keine schönen Bedingungen mehr. Aber zum Glück waren ja viele einheimische Tourengeher direkt vor uns und wir folgten ihnen, denn der Gedanke an einen Kaiserschmarrn in der Bergstation der Predigtstuhlbahn hielt die Moral aufrecht. Einige Personen vor uns wurde schon lauthals über das Gipfelbier in eben gleicher Gaststätte philosophiert.

 

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Das Wetter wurde ungemütlicher.

Schließlich kam ein Mast und eine kleine Hütte in Sicht. Hurra, wir hatten es gleich geschafft und es wurde ins schöne warme Innere gehen um der Ungemütlichkeit auf diesem Hügel zu entfliehen. Bei dem Hüttchen hatte sich mittlerweile ein zum Teil ratlos dreinblickendes Grüppchen Tourengeher gebildet, welches sich in den Windschatten drängte. Auch wir drängten uns hinzu und sagen uns um. Irgendwie ging es hier nicht mehr weiter. Und es stimmte auch etwas irgendwie gar nicht, da die Bergstation erstmal gar nicht zu sehen war. Plötzlich riss der Nebel etwas auf und wir konnten ein Gipfelkreuz einige Meter entfernt erkennen und unser Hüttchen war das obere Ende eines Schlepp- oder Tellerliftes, welches von der Bergstation des Predigtstuhl einige Meter unter uns heraufführte. Oh je, wir waren auf dem falschen Gipfel gelandet. Nicht nur uns war mittlerweile ein Licht aufgegangen, denn es ging ein Raunen durch die Gruppe und es stellte sich heraus, dass ungefähr die Hälfte der Tourengeher eigentlich auch zur Bergstation gewollt hätten und wie wir einfach den Vorgehern gefolgt war. Tja, es half nichts, kein warmes Bergstationsstübchen oder Kaiserschmarrn. Doch bevor es an die Abfahrt ging, mussten wir erstmal wissen, auf welchen Gipfel wir geraten waren. Peakhunter schuf hier Abhilfe und verriet uns, dass wir auf dem Hochschlegel (1688m) gelandet waren.

 

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Eisiger White-out am Gipfel des Hochschlegels (1688m).

Schnell in die Hardshell-Montur geschmissen, fuhren wir auch schon wieder bergab. Der Tiefschnee war leider nicht mehr jungfräulich und ob der vielen  Skifahrer schon ziemlich zusammen geschoben, sodass der Freeridespass doch   getrübt wurde. Ab der Schlegelalm tauchten wir wieder in den Wald ein und es wurde richtig spaßig. Ab hier verschwand der Nebel, es wurde durch den fehlenden Wind wieder angenehm warm und wir jetzt schwangen gemütlich weiter des Aufstiegsweges gen Auto. Nur ein kleines Stück führte alternativ auf der Forststrasse bevor es wieder auf den ursprünglichen Pfad führte. So erreichten wir schlussendlich kurz nach Mittag wieder den Parkplatz.

 

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Die Abfahrt, schon ziemlich „abgefahren“.

 

Fazit zur Skitour den Hochschlegel (1688m):

Schöne Skitour auf einen der Hausberge von Bad Reichenhall, auch wenn wir auf den Nachbargipfel gelandet sind. Die unteres 2/3 sind eher gemütlich, der letzte Anstieg außerhalb des Waldes ist dagegen schon steiler. Der Ausblick wäre bestimmt grandios gewesen, hätte der Nebel nicht alles verhüllt. Für die 12,9 Kilometer lange Tour mit 1170 Höhebmetet benötigten wir 4:40 Stunden.

Video zur Tour gibt’s auf unserem YouTube-Kanal. 

GPS-Track zur Tour findet ihr auf Outdooractive und Bergfex.

Hier noch einige Impressionen in unserer Bildergalerie:

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. romanaontop sagt:

    Hahaha voll lustig – na klar, das kann ja mal passieren v.a. wenn man wo noch nie war. Vor sowas hab ich auch immer ein bisschen Schiss. Glaub da wär es wohl jedem so ergangen wie euch. Aber hey… immerhin ein neuer Gipfel entdeckt, ist doch auch was 🙂
    Liebe Grüße, Romana

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    1. miiiep sagt:

      Zumindest haben wir wieder runtergefunden, das ist das wichtigste 😁 die Tour wird aber lange in Erinnerung bleiben.

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