Drei Zinnenblick vom Paternkofel 

Die drei Zinnen waren umrundet, der Hund müde, aber der Tag war noch jung und wir voller Tatendrang. Somit beschlossen wir nach dem Mittagessen im Refugio Auronzo noch den Paternkofel über den Innerkofler Klettersteig zu besteigen. Der Hundi schlief derweil den Schlaf der Gerechten im Wohnmobil.

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Die Drei Zinnen.

Also, erstmal wieder auf dem Wanderweg, vorbei an der Kapelle und der Laverado Hütte, zum Paternkofelsattel hinauf. Dort querten wir unterhalb des Paternkofel entlang der Bergflanke auf einem kleinen Pfad um uns den Abstieg vom Sattel und anschließenden Wiederaufstieg zur Drei-Zinnen-Hütte zu ersparen. Schließlich sind wir ja schon früher am Tag bei unserer Drei-Zinnen-Umrundung den Weg durch die Senke gegangen.

Unser Pfad führte uns fast bis zur Drei-Zinnen-Hütte. Dort folgten wir dem Wegweiser „Weltkriegsstollen“, denn genau durch Selbige sollte uns der Zustieg zum Innerkofler Klettersteig führen. Zunächst ging es aber wieder ein Stück zurück des Weges, diesmal allerdings etwas oberhalb des Pfades, auf dem wir zur Hütte gekommen waren. Vorbei am Frankfurter Würstel (2348m), einem wurstähnlichem Felsturm, gelangten wir zum Eingang der Stollen aus dem ersten Weltkrieg.

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Der Paternkofel mit dem Frankfurter Würstel im Vordergrund.

Schnell Gurt, Klettersteigset, Helm und vor allem Stirnlampe ausgepackt und angelegt, machten wir uns auf in den ersten Stollen. Hier war noch relativ wenig Einsatz der Stirnlampen gefragt, da es mehrere Fensterdurchbrüche gab, die Licht ins Dunkel brachten. Nach einem kurzen Übergang im Freien erreichten wir den Hauptstollen. Es empfing ein kalter Luftzug in tiefster Finsternis. Stirnlampen an und hinein ins Vergnügen. Eine sehr steile Treppe führte bergauf. Durch die totale Finsternis und im Innern des Berges verlor man schnell das Gefühl für Zeit und Raum. Das Ganze vermittelte den Eindruck sich in einer anderen Welt zu befinden. Irgendwann nahm dann auch die Treppe ein Ende und es gab wieder ein paar Felsfenster, die nicht nur Tageslicht sondern auch tolle Ausblicke gewährleisteten. Am vierten Felsfenster verließen wir schließlich die steinerne Welt auf die Ostseite des Paternkofel und trafen auf den Einstieg des Klettersteigs.

Über einem kurzen Auschwung (A/B) folgten abwechselnd kurze Stücke Gehgelände und drahtseilversicherte A-Teile, welche uns über eine Felsrampe zu einer sandigen Rinne unterhalb der Gamsscharte führte. Hier nahm der Fels wieder so eine schöne rötliche Färbung an. Durch die Rinne (A/B) gelangten wir auf die auf 2675m gelegene Scharte.

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Entlang der Rinne zur Scharte.

Von hier zweigten mehrere Wege ab. Zum Gipfel sollte uns rechter Hand an längeres B-Stück führen. Wir folgten immer auch bei der nächsten Abzweigung dem Stahlseil nach rechts, da das andere Seil nur der Abstiegsweg vom Gipfel wieder herunter gedacht war. Da hatte anscheinend jemand mitgedacht bei der Gestaltung des Steigs, damit es nicht so viel Stau gibt. Auch hier zunächst ein schönes B-Stück mit guten Griffen und Tritten, gelangten wir an ein Band (A), wo die Seilversicherung endete. Die letzten Meter bis zum Gipfel waren somit ungesichert zurückzulegen. Der Weg war zwar etwas schottrig, aber gut mit Steinmännchen markiert und eine kleine Kletterstelle (1- UIAA) stellte uns vor keine nennenswerte Herausforderung.

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Das Gipfelkreuz des Paternkofel.

Wir erreichten den Gipfel des Paternkofel (2744m) und es eröffnete sich uns ein umwerfender Ausblick auf die Nordwände der drei Zinnen. Aufgrund des hervorragenden Wetters konnten wir bis in die Marmolada blicken. Ein unglaublicher Ausblick, der in der Sonne des späteren Nachmittags ein surreales Gefühl vermittelte. Leider war uns kein einsames Gipfelerlebnis gegönnt, denn neben uns hatte sich eine Gruppe junger Tschechen niedergelassen und ihre Fotoausrüstung für den nahenden Sonnenuntergang vorbereitet. Die Zwischenzeit vertrieben sie sich schwatzend bei einem Gipfelbierchen.

Nach dem obligatorischen Gipfelbucheintrag und einigen vielen Fotos genossen wir noch die Aussicht. Die Sonne  sank immer tiefer dem Horizont entgegen und so machten wir uns an den Abstieg. Es ging erstmal den gleichen ungesicherten Weg wieder hinunter bis wieder auf für Drahtseilversicherung trafen. Wir folgten dem Seil nach rechts und stiegen die Einbahnstraße wieder hinab (B,B/C) bis wir an die Gamsscharte gelangten. Von dort rutschten wir mehr als wir gingen das Schotterfeld in der steilen Rinne rechts der Scharte hinunter. Steinmännchen und farbige Wegmarkierungen zeigten uns, wo es lang ging.  Nach der Rinne querten wir  entlang einiger Felsbänder, welche zum Teil überdacht waren. Hier hieß es Kopfeinziehen für jeden, der größer als 1,65m ist. An der Paßportenscharte (2530m) trafen wiederum auf einen Fotografen, der neben seinem Stativ harrte. Wir wechselten dort wieder auf die Westseite des Berges und es ging entlang des Wandfußes bis zum Paternsattel. Auf dem Weg dorthin gab es noch zwei oder drei versicherte Felsbänder (max. A/B) und einen kurzen tiefschwarzen Stollen, in dem sogar ich in die Knie gehen musste. Vom Paternsattel liefen wir im Licht des sterbenden Tages zurück zum Parkplatz, wo wir schon von unserem Hundi erwartet wurden.

 

Fazit zum Sentiero della Forcelle: 

Einfacher Klettersteig (max. B/C) im UNESCO-Weltnaturerbe. Mautstraße zu den Drei Zinnen ist zwar teuer (25€ PKW, 40€ Womo), aber wegen des herrlichen Panoramas und der Landschaft jeden Cent wert (unserer Meinung nach). Parkmöglichkeit gibt es direkt an der Auronzohütte. Während des Zustiegs (1,25 Stunden) kann man schon die wundervollen Nordwände der Drei Zinnen bewundern. Im Stollen sollte man eine Jacke und vor allem eine Lampe nicht vergessen. Der Steig selbst stellt einen vor nicht allzu große Herausforderungen, aber der Ausblick auf die Drei Zinnen ist einfach grandios. Die Rinne im Abstieg (insgesamt zwei Stunden) ist dagegen sehr unangenehm, aber sobald man die Felsbänder erreicht wird es besser. Insgesamt ein tolles Erlebnis auf einem einfachen Klettersteig mit umwerfender Aussicht und wirklich sehr zu empfehlen.

Infos und Topo auf Bergsteigen.com

In der Bildergalerie gibt’s noch viele Impressionen:

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Da wurden Erinnerungen wach ! Hab die gleiche Tour auch schon gemacht !!!! Super tolle Fotos und danke fuers zeigen !!!!!

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  2. miiiep sagt:

    Danke fürs Kompliment 😊
    Die Dolomiten sind wirklich wunderschön und ich hoffe, dass wir 2017 es wieder dorthin schaffen 🏔

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