Capu d’Orto

Irgendwie hatte sich Porto für uns in den vergangenen Tagen als Regenloch entpuppt. Erst der Dauerregen und dann wurden wir bei unserer Wanderung auf den Capu San Petru (914 m) ziemlich durchnässt. Am selben Abend zog dann erneut ein Gewitter auf und es fiel sogar der Strom aus. Zu allem Übel war an Klettern auch nicht mehr zu denken, da nicht nur der Regen der letzten Tage den Kletterfelsen „Portu“ am Strand schön feucht gehalten hatte, die 2 -3 Meter hohen Wellen wegen den Unwettern taten ihr übriges. Auch als am letzten Tag unseres Portoaufenthalts wieder die Sonne ihr Antlitz zeigte, waren immer noch so hohe Welle zu verzeichnen, dass die Wand unverändert nass war. Es war echt zum Mäuse melken….

Wir entschlossen uns als kleinen Trost eine Bergtour auf den Capu d’Orto (1294 m) zu machen, der mit seinen drei Türmen, den „tres signores“, über Porto thronte. An den Türmen hätte es auch schöne Mehrseillängenrouten gegeben, dies war leider wegen unseres Vierbeiners aber nicht möglich. Zumindest sollte es bei der Tour auf den Capu d’Orto leichte Kletterstellen bis zum Schwierigkeitsgrad 1+ (UIAA) geben. Immerhin ein Lichtblick, aber wir wussten ja nicht, wie unser Hundi sich dort schlagen würde. Aber abbrechen und wieder zurück gehen, geht ja zum Glück immer.

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Schattiges Wandern durch den Pinienwald.

Wir brachen also von Porto auf und fuhren die Küstenstraße D81 entlang nach Piana, wo der Wanderparkplatz gelegen war. Aber natürlich war wieder ein Wohnmobil-verboten-Schild an der Abzweigung Parkplatz angebracht. Hätte uns eher überrascht, wenn es nicht so gewesen wäre. Das Wohnmobil wurde deswegen an einer Parkbucht an der D81 abgestellt. Wir liefen die Auffahrt zum Wanderparkplatz hinauf, bei strahlendem Sonnenschein ohne Wölkchen am Himmel. Am Wanderparkplatz war sogar noch eine Höhenbegrenzung auf 2,0 Meter angebracht. Von dort aus ging es über den örtlichen Fussballplatz von Piana auf den Wanderweg, der guten Ausschilderung immer folgend. Wir wanderten gemütlich bergauf über den teilweise sehr steinigen Weg in einem schattigen und kühlen Pinienwald. Immer wieder spitzten fantastische Tafoni-Formationen durch den Wald. An der Gabelung der Bocca di Piazza Moninca (910 m) hielten wir uns rechts und folgten dem Weg und verließen den schattigen Wald. Ab hier markierten nur Steinmännchen den Weg. Der Weg nahm nun den Charakter eines Gebirgssteigs an und wir bewegten uns in sehr abwechslungsreichem Gelände. Zunächst eine kleine Hochebene mit wunderschönen Felsformationen und immer wieder kleine Waldstücke, ging es nun felsig in einem steilerem Stück bis zum Sattel weiter. Hier begann nun die erste Kraxelei, die „Schlüsselstelle“ wies tatsächlich eine Schwierigkeit von 1+ auf. Diese Stück interessierte unser Hundi überhaupt nicht und wurde bravourös gemeistert. Im unveränderten Elan kletterte unsere alte Dame dem Sattel Foce d’Orto entgegen.

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Schlüsselstelle 1+ (UIAA).

Stellenweise hatten wir Schwierigkeiten mit ihr mitzuhalten. Nach der Foce d’Orto folgte eine schöne Hochebene mit grandiosen Blick auf den Golf von Porto und das UNESCO-Weltnaturerbe. Hier war auch ein beliebter Pausenplatz für viele Wanderer, die sich noch vor dem Gipfelanstieg stärken wollten.Wir verliessen die Hochebene jedoch ohne größere Pause und machten uns, den Steinmännchen folgend, auf den Weg zum Gipfel. Hier gab es noch einige Stellen, an denen man die Hände gebrauchen musste, aber im Großen und Ganzen für Tier und Mensch gut machbar. Endlich am Gipfel angekommen, eröffnete sich uns der umwerfende Blick über den gesamten Golf von Porto und tief hinein ins Hinterland der Calanche. Wir genossen den Ausblick und genehmigten uns und dem Hundi einen Gipfelsnack. Allerdings gab es auch hier kein Gipfelkreuz. Als Ersatz thronte ein Steinhaufen mit einem Stock und nepalesischen Fahnen am höchsten Punkt.

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Gipfel des Capo d’Orto.

Der Abstiegsweg führte uns wieder über den Normalweg auf die Hochebene und von dort zurück zur Bocca di Piazza Moninca. Mittlerweile waren Wolken aufgezogen und umhüllten den Gipfel, auf dem wir vor kurzem noch gestanden hatten. Da hatten wir echt Glück gehabt, denn Aussicht gab es nun keine mehr. An der Bocca hielten wir uns nun links und überquerten den Bach. Auf der anderen Seite des Bachs führte der Abstiegsweg parallel zum Aufstiegsweg zurück zum Fußballplatz und von dort zurück zum Wohnmobil. Nach einer kleinen Pause ging die Fahrt nach Sagone weiter, wo wir auf einem herrlichen 4-Sterne Campinplatz nächtigen konnten.

 

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Herrliche Felsfomrationen.

Fazit zur Besteigung des Capu d’Orto (1294m):

Herrliche Bergtour mit schönen leichten Genusskletterstellen. Zunächst noch als leichte Tour beginnend, zieht die Schwierigkeit ab der Bocca di Piazza Moninca schnell an und geht in die Kletterstellen über. Ab der Bocca gibt es auch keinen Schatten mehr und man ist der prallen Sonne ausgesetzt, deswegen sollte man immer an genug Flüssigkeit für Mensch  und Tier denken. Der Weg ist sehr schön und abwechslungsreich, eine gewissen Trittsicherheit und gutes Schuhwerk sind unbedingt von Nöten. Kletterbegeisterte Hunde werden ihren Spaß an dieser Tour haben. Für den Ausblick am Gipfel sollte man sich ausreichend Zeit nehmen, denn dieser ist grandios. Eine wirklich lohnende Bergtour, die man auf jeden Fall, gegangen haben sollte, wenn man dieser Region unterwegs ist.

In 5 Stunden bewältigt man 10,7 Kilometer und 817 Höhenmeter.

GPS-Track zur Tour auf Outdooractive.comund Bergfex.de

Weiter Impressionen in unserer Bildergalerie:

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