Im Traunsteiner Grat bei spätsommerlicher Hitze 

Das letzte Augustwochenende konnten wir – dank netter und tauschbereiter Kollegen – wieder einmal in Österreich verbringen. Wichtig  war uns an diesem Wochenende endlich mal wieder eine Mehrseillängentour zu klettern – Entzugserscheinungen ließen grüßen.

Nach ewigen hin und her fiel dann schlussendlich die Wahl auf den Gmundner Weg und den Südwestgrat am Traunstein. Beeinflusst wurde die Entscheidung nicht zuletzt durch das bezogene Nachtlager am Traunsee.

Nachdem in der Routenbeschreibung erwähnt wurde, dass die Parkplatzsituatuion am Ostufer des Traunsees eher schlecht sein sollte, brachen wir Sonntag morgen um 7.30 Uhr auf, in der Hoffnung leichter einen der raren Parkplätze zu ergattern. Dort angekommen, wurden wir jäh enttäuscht, denn es hatten anscheinend auch viele Andere diese Idee. Wahrscheinlich auch durch die prognostizierten 36 Grad spätsommerlicher Hitze. Somit mussten wir dann doch wieder ein ganzes Stück zurück des Weges bis ein passendes Plätzchen gefunden war. Glücklicherweise hatten wir unsere Drahtesel dabei. Also Flux auf’s Rad geschwungen und ca. 10 Minuten – vorbei an den Scharen Wanderer und Klettersteiggeher – das Ostufer bis zum letzten Parkplatz und dem Beginn der Forststrasse entlang gedüst. Von dort ging es zu Fuß weiter, immer entlang der Forststrasse und der Beschilderung des Naturfreundesteigs folgend.

Nach dem zweiten Tunnel begann auch auf der linken Seite der Selbige. Der Zustieg zur Wand verlief über das erste stahlseilversicherte Stück des Naturfreundesteigs. Zu allererst gab es nettes A/B-Stück mit Eisenklammern und doch recht abgespeckten Tritten, bevor es in Gehgelände (A) mündete. Hier folgten wir an einer Grasspassage dem Pfad nach links aus dem Naturfreundesteig heraus und über das Geröllfeld.

Am linken Rand des Schuttfeldes sollte direkt der Einstieg des Gmundner Weges gelegen sein, mit einem rotem „GM“ markiert. Die Markierung suchten wir vergeblich und entschieden uns daraufhin einfach einige abgespeckte Felsteile als Einstieg zu erklimmen. Schließlich sollten die ersten Meter nur in einer Schwierigkeit von 1-2 UIAA sein. Wir fanden dann auch schließlich den ersten Normalhaken der ersten Seillänge an einer kleinen steilen Stufe (3+). Plattig führte uns die Route weiter (3,3-) bis zum ersten Standplatz an einem mit Repschnur markierten Baum. Die zweite Seillänge führte im leichten Gelände (max. 1 UIAA) über einen schottrigen Aufschwung, vorbei am Wandbuch (rechterhand an einem Baum angebracht), bis zum nächsten Standplatz, erneut an einem Baum gelegen, aber diesmal ohne Markierung.

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2. Seillänge des Gmundner Weg.

Die dritte Seilänge verlief erneut unspektakulär in einer Rinne (1-2) bis es in der vierten Seillänge wieder schwieriger wurde (3) und uns nun steil auf den Grat gelangten.Nun war der Gmundner Weg auch schon geschafft und über kurzes Gehgelände gelangten wir zum Südwestgrat.

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Gehgelände zum Einstieg des Südwestgrats.

Dieser war relativ einfach zu erkennen, da er kurz nach dem Beginn der ersten Seillänge mit einem überdimensionalen Gedenk-Normalhaken markiert war.

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1. Seilänge des Südwestgrats.

Hier begann die erste Seillänge auch schon schwieriger (3+,3) über einen Aufschwung über dem Riesenhaken (nicht zum Sichern geeignet) und lief dann gemütlicher (1-2) bis zum ersten Standplatz mit Bohrhaken in einer kleinen Scharte aus. Die zweite und etwas kürzere Seillänge bot im Großen und Ganzen den gleichen Charakter wie die Vorherige.

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3. Seillänge des Südwestgrats.

Dagegen glänzte die dritte Länge durchgängig mit schwierigerem Gelände (3+, 3+, 3-) und dem Wandbuch am gebohrten Standplatz. Somit hatten wir auch der schwierigste Teil des Südwestgrates bezwungen. Die vierte Seillänge führte uns direkt über den Grat (2+) mit nur einem Normalhaken zur Absicherung. Hier kamen dann zusätzlich ein paar Klemmkeile zum Einsatz. Mit einem etwas schwierigem Teil (3) begann die fünfte Seillänge bevor diese in leichterem Gelände (2) um den Gratturm herum zum Standplatz führte. Zum Einsatz kam hier sogar einmal eine Köpflschlinge.

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5. Seillänge des Südwestgrats.

Die vorletzte Seillänge führte uns noch einmal schön den Grat entlang (2,3-,2) bis die letzte und siebte Länge rechts neben dem Grat (1-2) leicht bis zum letzten Standplatz auslief. Endlich an den letzten Bohrhaken angekommen, packten wir schlussendlich unsere Sachen zusammen und genossen noch etwas Schatten unter einem Baum bevor wir uns an den Ausstieg machten, denn seit Beginn der Tour waren wir nur in praller Sonner unterwegs gewesen.

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Blick auf den Traunsee vom allerletzten Standplatz aus.

Zum Ausstieg mussten wir erstmal noch einen knappen Kilometer und ca. 30 Minuten den Steigspuren (unmarkiert) über einen Sattel folgen, bis wir wieder auf den Naturfreundesteig trafen. Natürlich wieder schön in praller Sonne. Nachdem unserer Wasserreserven nun so gut wie aufgebraucht waren, entschieden wir uns gegen den weiteren Aufstieg zum Gipfel. Der hätte nämlich nochmal 1,5-2 Stunden über Naturfreundesteig in praller Sonne in Anspruch genommen. Also flux an den Abstieg über gleichen Steig gemacht. Einziges Highlight, welches uns der Naturfreundesteig auf unsererm Weg geboten hatte, war die lange Leiter im Schwierigkeitsgrad A/B.

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Die lange Leiter (A/B) im Naturfreundesteig.

Der restliche Steig verlief unspektakulär mal unverseilt und mal stahlseilgesichert (max. A) wieder Richtung Abzweigung zum Geröllfeld. Ab hier folgten wir der schon bekannten Aufstiegsstrecke wieder bergab. Den ersten richtigen Schatten fanden wir erst wieder auf der Forststraße in den beiden Tunneln. Zurück am Parkplatz machten wir noch einen Abstecher in den Maoristidl um uns an einer wohlverdienten Jause zu stärken, bevor es mit den Fahrrädern zurück zum Auto ging.

Fazit zum Gmundner Weg und Südwestgrad am Traunstein:

Die Parkplatzsituation am Ostufer ist wirklich schlecht. Also entweder noch früher aufbrechen oder einen Stück Fußmarsch in Kauf nehmen bzw. mit dem Fahrrad zurück legen.  Geparkt darf auch wirklich nur den gekennzeichten Flächen sonst droht Abschleppen. Und sonderlich breit ist die Straße ebenso nicht. Der Zustieg führt gemütlich entlang der Forststraße, nur für Fußgänger. Im ersten Drittel ist sogar ein Trinkwasserspender von der Traunsteiner Quelle, danach gibt es auf der ganzen Tour keine Gelegenheit mehr sein Wasser aufzufüllen. Der Naturfreundesteig ist ein zum Teil mit Stahlseilen versicherter typischer Gebirgsteig, zumindest in den unteren Teilen, die wir begangnen haben. Die Klettertour selbst ist als Kombination aus Gmundener Weg und Südwestgrat zwar nicht sonderliche schwer (max. 3+) aber mit 520 Höhenmeter und 11. Seillängen sehr lang und somit nicht zu unterschätzen. Ebenso verläuft der Südwestgrat fast die ganze Zeit schön ausgesetzt dem Grat entlang. Zusätzlich wird man noch mit einer tollen Aussicht über den Traunsee belohnt. Einziger Wermutstropfen ist die sonnenexponierte Lage. Wir empfehlen an warmen Tagen mindesten 3 Liter Flüssigkeit pro Person mitzunehmen. Der Ausstieg zieht sich dann nochmal und ist unmarkiert. Leider gibt es stellenweise doch mehr als eine Steigspur war die Orientierung doch erschwert. Der Abstieg über den Naturfreundesteig ist dann nicht mehr so spektakulär. Alternativ kann man über denselbigen noch den Gipfel erklimmen. Ingesamt eine sehr lohnende Tour mit toller Aussicht.

Infos und Topo zum Gmundner Weg und zum Südwestgrat auf bergsteigen.com.

Zum Abschluss noch einige Impressionen der Tour in unserer Galerie:

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