Auf das Kitzsteinhorn- komplett und von gaaanz unten 

Das Wochenende des 6./7. August 2016 verhieß gutes Bergwetter und so machten wir uns auf, einen 3000er zu besteigen.

Die Wahl fiel schon nach kurzer Überlegung auf das Kitzsteinhorn (3209m ü. NN). Unbeeindruckt ließ uns die Seilbahn, mit der man theoretisch bis fast ganz auf den Gipfel fahren könnte. Die Bergstation liegt nämlich auf 3029m. Unsere Besteigung sollte dagegen komplett und von ganz unten sein. Neudeutsch würde man das by fair means nennen, oder so ähnlich. Für uns lag die Attraktivität der Tour in den zu bewältigenden 2300 Höhenmeter vom Tal bis zum Gipfel, der Gletscherüberquerung und zum Schluss noch einen Klettersteig auf dem Gipfelanstieg.

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Beginn der Tour im Tal, entlang des Weges 711 zur Krefelder Hütte.

Somit ging es am Samstag morgen um 10 Uhr im Tal auf ca. 910m ü. NN los. Geparkt wurde am First Mountain Hotel an der Bushaltestation Hinterwald. Am Samstag wollten wir 1400 Höhenmeter bis zur Krefelder Hütte aufsteigen. Wir folgten also dem Wanderweg 711 Richtung Krefelder Hütte. Die ersten 1,5 Stunden ging es in Serpentinen steil bergauf. Bis zur ersten Bierchenpause an der Ederalm hatten wir dadurch schon knappe 600 Höhenmeter bewältigt. Nach der Erfrischungspause nahmen wir beschwingt unseren Weg wieder auf. Zunächst verlief der Weg noch in gewohnter Steilheit, bevor er nach ca. 30 Minuten langsam abflachte und sehr gemütlich verlief.

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Der Weg zur Salzburger Hütte ist schon etwas gemütlicher.

Die Salzburger Hütte erreichten wir nach insgesamt 2,5 Stunden Gehzeit. Da die Mittagszeit angebrochen war, gönnten wir uns auf der Salzburger Hütte nun einen sehr leckeren Kaiserschmarrn und ein Bierchen.

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Die Salzburger Hütte.

Frisch gestärkt und mit guter Laune begaben wir uns auf das letzte Wegstück zur Krefelder Hütte. Der Weg führte uns vorbei an der Gletscherjet 1 Station Langwiedboden. Auch hier konnte man eher gemütlich wandern. Mittlerweile hatten sich auch die tiefhängenden Wolken zum Teil verzogen, sodass nun gute Talsicht war. Da wir sehr gut in der Zeit lagen, entschlossen wir uns noch einen kurzen Abstecher zu machen. Gesagt, getan und es wurde der Gipfel des Gaisstein (2230 m ü. NN) erklommen. Schließlich sollte auch dieser Tag einen Gipfel haben.

Der Weg führte uns erstmal noch über einen kleinen Grat vom Gaisstein zurück auf den Weg 711. Die letzten 100 Höhenmeter mussten wir dann noch die Skipiste überqueren bevor wir schlussendlich nach 4,5 Stunden Gehzeit die Krefelder Hütte erreichten. Den Abend ließen wir gemütlich ausklingen und es ging dann doch recht zeitig zu Bett.

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Talblick von der Krefelder Hütte.

Der Sonntag Morgen erwartete uns strahlender Sonnenschein und perfektem Bergwetter. Am Vorabend hatten wir uns noch beim Hüttenwirt nach den Verhältnissen am Gletscher erkundigt, da es die Tage zuvor Neuschnee gegeben hatte. Nach einem kurzen Telefonat teilte er uns mit, dass die Verhältnisse gut seien, wir aber wegen einigen wenigen Gletscherspalten die Aufstiegsroute entlang der Schlepplifte wählen sollten.  Das Frühstück war reichlich, denn es sollte nicht nur der Gipfel erstürmt werden, sondern hierbei waren auch ca. 900 Höhenmeter mit Überquerung des Schmiedingerkees und die letzten knapp 200 Höhenmeter über einen Klettersteig zu bewältigen.

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Kitzsteinhorn und Schmiedingerkees von der Krefelder Hütte aus.

Wir verließen also die Krefelder Hütte und es ging bergauf auf dem Wanderweg Richtung Alpincenter. Ab dem Alpincenter gibt es allerdings keine Wanderwege mehr, welche Richtung Gipfel führen. Auf die Bergstation gelangt man als Standardbesucher entweder über Gletscherjet 3+4 und einem kurzen Wanderweg zur Panoramaplattform und den angeschlossenen Tunnel oder mir der Gipfelbahn direkt zur Bergstation, beides vom Alpincenter ausgehend.

Wir folgten also den Skipisten vom Alpincenter bergauf gen Gletscherjet 4, wo der Gletscherausläufer begann. Da im Skigebiet Kitzsteinhorn außerhalb der Skisaison immer viel erweitert und gebaut wird, führte uns unser Weg an allerlei Baumaschinen und mit Planen abgedeckten Schneelagern vorbei. Das machte irgendwie einen sehr trostlosen Anblick.

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Baustelle am Kitzsteinhorn.

Schließlich erreichten wir den Gletscherausläufer und querten nach rechts zu den Skiliften. Hier war netterweise eine schöne Pistenraupenspur vorhanden, welcher wir bergauf folgten. Der Schnee über dem Gletschereis war gut griffig, somit wurden weder Grödel noch Steigeisen benötigt. Wir querten eine kleine ca. 0,5m breite Gletscherspalte. Diese war auch die Einzige, die wir fanden.

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Der Schmiedingerkees (Gletscher).

Am Oberrand des Gletschers querten wir in der Pistenraupenspur sehr flach und gemütlich nach links, immer der Station des Gletscherjets 4 entgegen. An dessen Ausgang war ein Rodelhügel mit Teppichlift für die jüngeren Besucher angelegt. Die Eltern konnten an einer Bar und in Liegestühlen relaxen. Die Geräuschkulisse ähnelte eher einem italienischen Badestrand zur Ferienzeit als einem Gletscher. Davon ließen wir uns natürlich nicht abschrecken und erreichten über den Wanderweg hinter dem Schlittenhügel die Panoramaplattform. Mit Panorama war es dann erstmal recht wenig, weil wieder einmal Wolken die Sicht versperrten. Deswegen verweilten wie nur kurz um gleich darauf den Verbindungtunnel zur Bergstation zu passieren. Dieser ist 360m lang und weißt eine Steigung von bis zu 25% auf. Damit es nicht so langweilig wird, hat dort die Nationalparkgalerie Hohe Tauern fünf geologisch edukative Stationen eingerichtet, welche z. B. über Bergkristalle, Tauerngold oder Permafrostböden informieren. Im Restaurant der Bergstation gönnten wir uns ein kurzes Päuschen bevor der Gipfel gestürmt werden sollte.

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Der Gipfelklettersteig (A/B) auf das Kitzsteinhorn.

Auf der Aussichtsplattform wurde zunächst die komplette Klettersteigausrüstung angelegt bevor es am rechten Rand der Aussichtsplattform auf den Gipfel ging. Dieser führte das erste Stück ungesichert durch die Lawinenschutzwälle hindurch. Danach begann das Drahtseil des Klettersteiges mit einer maximalen Schwierigkeit von A/B. Natürlich lag auch entsprechend Schnee, was den Aufstieg stellenweise etwas rutschig machte. Insgesamt bewältigen wir ca. 170 Höhenmeter in einer knappen Stunde bis wir das Gipfelkreuz erblickten. Die letzten Meter zum Gipfelkreuz führte der Klettersteig einige Meter etwas ausgesetzt am Gipfelgrat entlang. Somit erreichten wir nach ca. 3 Stunden Gehzeit unser Ziel, den Gipfel des Kitzsteinhorns auf 3203m. Die Aussicht war einfach grandios ins Tal, die Tauernmoosstauseen, der Großglockner und der Großvenediger. Es folgte natürlich noch der obligatorische Eintrag ins Gipfelbuch. Wir genossen noch ausgiebig das tolle Panorama sowie die Ruhe und die Stimmung.

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Gipfelkreuz des Kitzsteinhorns 3203m.

Nachdem man ja nicht ewig auf den Gipfel bleiben konnte, begannen wir schweren Herzens mit dem Abstieg zur Bergstation. Mittlerweile war es doch ziemlich warm geworden und wir wechselten noch schnell auf kurze Oberteile auf der Bergstation. Der Abstieg führte zurück über die Aufstiegsroute. Allerdings war der Schnee am Gletscher mittlerweile ziemlich angetaut, sodass es doch mehr eine Rutschparty wurde. Am Alpincenter angekommen drängte langsam die Zeit, da ja noch am gleichen Tag die 4 stündige Heimfahrt abstand. Somit entschieden wir uns schlussendlich doch eine der letzten Gletscherbahnen ins Tal zu nehmen. Hier endete dann auch unsere Tour.

Insgesamt haben wir in den 2 Tagen eine Strecke von ca. 12 km und ca. 2300 Höhenmeter zurückgelegt. Zunächst eine klassische Bergwanderung mit dem kleineren Gipfel des Gaissteins bis zur Krefelder Hütte, folgte eine Gletscherüberquerung und ein Klettersteig zum Gipfel des Kitzsteinhorns. Die Gletscherverhältnisse waren aufgrund des mäßigen Neuschnees in den vorherigenTagen sehr gut, allerdings muss man bei überfrorener Nässe doch Steigeisen mit einpacken. Auf jeden Fall sollte man sich zuvor z. B. beim  Hüttenwirt nach den Verhältnissen am Schmiedingerkees erkundigen, da es dort keinerlei ausgewiesene Überquerungsmöglichkeiten gibt. Eine sehr schöne Besteigung eines 3000er, welche sehr abwechslungsreich ist.

Die GPS-Tracks zur Tour findet ihr auf outdooractive.com: Tag 1 – zur Krefelder Hütte , Tag 2 – Gipfel Kitzsteinhorn

Hier noch einige Impressionen in unserer Bildergalerie:

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8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Outbears sagt:

    Tolle Tour, Toller Blog :),

    Danke für die Mühe, diesen Beitrag zu schreiben 🙂

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    1. miiiep sagt:

      Dankeschön 😊 Freut uns, wenn die Beschreibung nützlich war und du eine tolle Tour hattest. Ist auch eine unserer 2016 Top 5 Touren, weil sie echt Spaß gemacht hat.

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  2. Carolin sagt:

    2300 Höhenmeter im Aufstieg? Hilfe, das wäre mir ,glaub‘ ich , zuviel.
    Aber dafür entschädigt natürlich das Gefühl, die Tour ohne bequeme Gondel geschafft zu haben.
    Und die Ausblicke sind genial, mal abgesehen von der Baustelle.
    Das kenne ich leider auch z.B. vom Stubaital. Dort kamen mir bei einer Wanderung riesige LKWs am Berg entgegen, die dort am Gletscher tätig waren.
    Liebe Grüße
    Carolin

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    1. miiiep sagt:

      Hallo Carolin,
      Die 2300hm waren ja zum Glück auf zwei Tage verteilt. Das hat das ganze sehr entspannt gemacht. Die Skibaustellen werden in der Permafrostzone wirklich überall mehr. Meiner Meinung nach muss das echt nicht sein.

      Viele Grüße, Astrid

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