4 Jahreszeiten bei der Karwendelwintertour im Sommer 

Im Juli 2016 gab es doch wirklich einen kleinen Wintereinbruch mit Abfall der Schneefallgrenze auf unter 1800 m ü. NN. Es kam dadurch zu ca. 50cm Neuschnee am Karwendel und am Donnerstag, den 14.7.16, hatte die Karwendelbahn sogar winterrungsbedingt geschlossen.

Nichtsdestotrotz machte wir uns am Abend des 15.7.16 auf Richtung Mittenwald. Natürlich kleidungstechnisch dementsprechend gerüstet, also mit den Hoch- und Skitourenklamotten im Gepäck.

Der Samstagmorgen begrüßte uns herbstlich frisch bei ca. 6 Grad und nebelig mit noch leichter Restfeuchtigkeit der vergangenen Tage. Flux wurden die Hoch- und Skitourenklamotten angelegt und die Rücksäcke gepackt, denn die Webcam an der Bergstation zeigte uns weiterhin ein schönes Winterwunderland. Vom Womo-Stellplatz am Bahnhof brauchten wir 10 Minuten bis zur Talstation der Karwendelbahn. Für 19,50€ (inkl. 3€ Pfand für die Karte) erreichten wir mit der ersten Bahn die Bergstation. Dort liefen schon viele Vorbereitungsarbeiten von fleißigen Helfern für den parallel stattfindenden Karwendellauf.

Winterwunderland an der Karwendelbergstation
Winterwunderland an der Karwendelbergstation

Uns empfing wie erwartet das Winterwunderland bei -6 Grad am 16.7.2016. Zunächst führte unsere Planung auf den Panorama-Rundweg über schön griffigen und knackigen Schnee zum Karwendel Klettersteig.

Winterlicher Aufstieg zur Karwendel Klettersteig
Winterlicher Aufstieg zur Karwendel Klettersteig

– Einschub – die Fakten zum Karwendel Klettersteig:

Kurzer Klettersteig bei dem man über 75 Höhenmeter in ca. 35 Minuten den Gipfel der westlichen Karwendelspitze erreicht. Maximale Schwierigkeit ist bei C. Zustieg von der Bergstation der Karwendelbahn dauert 15 Minuten und der Abstieg entweder wieder zur Bergstation oder zum Mittenwalder Höhenweg ebenso je 15 Minuten. – Einschub Ende –

Einstieg des Karwendel Klettersteig
Einstieg des Karwendel Klettersteig

Der Steig präsentierte sich im ersten Aufschwung (A/B) mit Eisplatten übersäht, welche sich aber sehr leicht abklopfen liesen und wegen der großen Tritte sehr gut halt boten. Das folgende Gehstück (A) war sehr griffig wegen noch jungfräulichem Schnee. Wir waren anscheinend die Ersten an diesem winterlichen Julitag. Es folgte das erste knackige C-Stück. Unter diesen Verhältnissen war dies wesentlich schwerer, da sich trotz forcierten Eisplattenabklopfens und Stahlseilenteisens nur wenig halt finden lies. In der folgenden B/C-Querung ging es dann wieder deutlich leichter bis zum erneuten senkrechten C-Aufschwung.

Auch hier fanden wir wegen der Vereisung nur schlecht halt und somit war es dann doch eher D. Die folgende B/C-Senkrechte war ebenso wegen der mittlerweile bekannten Problematik ein C-Stück. Über dem Grat (A) verlief es dagegen wieder entspannter. Nach einem kurzen Abstieg (A) gelangten wir in eine komplett vereiste Rinne (B). Hier gelangten wir nur durch großen Krafteinsatz, hohem Antreten und dennoch mit einigen Malen Wegrutschen weiter. Somit verdiente sich die Rinne auch ein C. Damit hatten wir die letzen Widrigkeiten hinter uns gelassen und es ging entspannt über ein A-Stück zum Gipfel der westlichen Karwendelspitze (2384m ü. NN).

Die westliche Karwendelsüute 2384m
Die westliche Karwendelspitze 2384m

Der Eintrag ins Gipfelbuch war natürlich ein Muss und wir stellten fest, dass wir die Ersten an diesem Tag waren. Der Abstieg ging zügig und wir erreichten innerhalb von 25 Minuten die nördliche Linderspitze, wo der Mittenwalder Höhenweg begann.

Abstieg von der westliche Karwendelspitze
Abstieg von der westliche Karwendelspitze

 

– Einschub: der Mittenwalder Höhenweg –

Zustieg von der Bergststation bzw dem Karwendel Klettersteig innerhalb von 15 Minuten. Der Steig selbst überschreitet nie den Schwierigkeitsgrad B und man bewältigt in 2,5-3 Stunden 400 Höhenmeter. Der Abstieg dauert dagegen 2,5 Stunden. Als Rast liegt am Abstiegsweg die Brunnsteinhütte. – Einschub Ende –

Von der nördlichen Linderspitze (2372m) ging es weiter winterlich zunächst über den Grat mit zwei Leitern und zwei Holzbrücken mit einer maximalen Schwierigkeit von A/B. Hier gab es wunderschöne Eiskristalle an den Felsen zu bestaunen.

Das erste A/B-Stück des Mittenwalder Höhenwegs
Das erste A/B-Stück des Mittenwalder Höhenwegs

Nach einer Gehstrecke entlang des Grates und vorbei am Gatterl erreichten wir eine lange Leiter (B), welche auf die mittlere Linderspitze führte (2289m). Über Zwei weitere kleine Leitern (B) gelangten wir auf eine längeres einfaches Stück (max. A/B) bevor eine weitere Gehpassage folgte. Es ging bergab zum Gamsanger (2188m) und langsam wurden Schnee und Eis weniger.

Beim Aufstieg (A/B) zur Sulzeklammspitze (2321m) entdeckten wir wieder die grünen Grasstellen mit einigen Blümchen. Hier war erhöhte Vorsicht wegen Steinschlaggefahr geboten. Kurz unterhalb der Sulzeklammspitze endete die Seilversicherung und es mussten somit Kletterpassagen bis II- bewältigt werden.

Langsam wurde es frühlingshaft
Langsam wurde es frühlingshaft

Von der Sulzeklammspitze führte uns ein längeres Stück Gehgelände, kurz unterbrochen von einer A/B-Passage, zunächst etwas bergab bevor wir über einen weiteren A/B-Anstieg zur Kirchlspitze (2301m) gelangten. Mit der Kirchlspitze war somit der letzte Gipfel geschafft und es ging über ein kurzes A-Stück nun gen Tal. Mittlerweile waren nur noch kleine Restschneefelder vorhanden, sodass es frühlingshaft anmutete.

Abstieg zum Brunsteinanger
Abstieg zum Brunsteinanger

Am Brunnsteinanger (2082m) waren nun auch die letzten Schneereste verschwunden. Hier hätte es noch die Möglichkeit  gegeben Richtung Brunnsteinspitze (2180m) erneut über einen Wanderweg aufzusteigen, aber wir entschieden uns dagegen, da uns der Hunger mittlerweile arg quälte.

Somit machten wir uns weiter an den Abstieg um möglichst schnell die Brunnsteinhütte zu erreichen und unseren wohlverdienten Kaiserschmarrn genießen zu können. Bis zur Hütte waren es dann doch noch 1, 25 Stunden. Danach gings dann frisch gestärkt wieder Richtung Womo-Stellplatz.

Der nun sommerliche Karwendel
Der nun sommerliche Karwendel

Fazit unserer Karwendeltour:

Insgesamt sehr schöne Tour, die dann in dieser Art doch den ganzen Tag beansprucht. Der Karwendel Klettersteig ist ein sehr schöner klassischer Klettersteig mit toller Aussicht, aber durch die  winterlichen Bedingungen bei unserer Begehung ca. einen Schwierigkeitsgrad höher einzustufen. Der Mittenwalder Höhenweg bietet keinen hohen Schwierigkeitgrad, dennoch sollte seine Länge nicht unterschätzt werden. Die ungesicherten Gehstellen verlangen zusätzlich noch Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Gegen Ende zieht sich der Höhenweg dann allerdings doch etwas in die Länge.   Insgesamt sollte von einer solchen Begehung absehen, wenn man noch keine Erfahrungen mit Winterbegehungen hat. Trotzdem eine empfehlenswerte Tour bei den richtigen Wetterverältnissen. Und der Kauserschmarrn auf der Brunnsteinhütte ist sehr zu empfehlen 😉

Topo zum Karwendel Klettersteig und zum Mittenwalder Höhenweg (Bergsteigen.com)

GPS-Track findet ihr auf outdooractive.com

Hier noch einige Impressionen in unserer Galerie:

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