Einmal durch den Königssee…

DSCN0287… oder so ähnlich. Aber von Anfang an. Es war im Februar, als mein Kletterpartner meinte, er müsse seinen Urlaub planen. Spontan viel mir ein, das ich im April noch eine freie Urlaubswoche hab. Schon liefen die Planungen an. Das Wetter im April ist eigentlich für nichts zu gebrauchen. Unser erster Gedanke, noch einmal Eisklettern zu gehen, wurde aufgrund der milden Temperaturen schnell verworfen, für eine mehrtägige Klettertour ist das Wetter nicht berechenbar, da spielen zu viele Faktoren eine Rolle. Letztlich entschieden wir uns dann für eine Hüttentour Rund um den Königssee, je nach Schneelage.

Als erstes der Hüttencheck, schnell stellte sich heraus, dass im April kaum bewirtschaftete Berghütten offen haben. Die Skisaison ist zu Ende und die Wandersaison fängt erst im Mai an. Ergebnis: Selbstversorgung in Winterräumen, das bedeutet natürlich auch die Verpflegung mit zu planen.

Unsere geplante Route, die dabei rauskam sah schließlich folgendermaßen aus: Aufstieg zur bewirteten Carl-von-Stahl-Hütte, am nächsten Tag weiter zur Wasseralm, anschließend über die Funtenseetauern zum Kärlingerhaus und anschließend über St. Bartholomä wieder zum Parkplatz Königsee.

Tag 1:

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Blick auf den Grünstein

Am Dienstag den 19.April 2016 war es dann endlich soweit, die gepackten Tourenrucksäcke wurden ins Auto geladen und es ging Richtung Süden. Das Wetter war im Vergleich zur Vorhersage am Vortag noch eher durchwachsen und bewölkt, aber immerhin Trocken. Unser kurzzeitiger Plan, mit der Jenner-Seilbahn bis zur Mittelstation abzukürzen (waren Verkehrsbedingt etwas später dran als gewünscht) scheiterte an den Revisionsarbeiten der Selbigen, und wir verließen das grüne Tal zu Fuß.

Uns erwartete ein stetig ansteigender Wanderweg, der sich um den Jenner herumzieht. Meist tief im Wald, hat man wenig Ausblick auf die schöne Landschaft. Das Ergebnis des ersten Tages waren Rund 6km mit ungefähr 1000hm Anstieg in 3 Stunden. Den Abend ließen wir dann bei einem sehr guten Abendessen auf dem Stahlhaus ausklingen.

Tag 2:  

Bei einer Unterhaltung über unser Vorhaben mit dem Hüttenwirt, stellte sich dann herraus, dass die Schneelage auf den Wegen zur Wasseralm sehr kritisch und schwer zu bewältigen sind und die Strecke würde sich weit über die normalen Gehzeiten hinauszögern. So saßen wir dann erstmal etwas Ratlos da, und verdauten unser Essen. Ein paar Blicke auf die Karte, und wir hatten eine Alternativroute gefunden. Wenn es nicht um den Königssee herumgeht, dann halt einmal quer durch.

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Blick vom Kessel über den Königssee zum Watzmannmassiv

So stiegen wir am nächsten Morgen nach dem Hüttenfrühstück mit ausreichend Kaffee über den Kesselsteig zum Königssee hinab. Nach einer kurzen Brotzeit setzten wir mit einem der Touristenboote über nach St. Bartholomä. Mit unseren aufgepackten Tourenrucksäcken wurden wir hiernordentlich gemußter, kommt anscheinend nicht all zu oft vor. Bei strahlendem Sonnenschein ließen wir hier erstmal die Blicke über das Watzmann-Massiv gleiten. Diese Gegend ist schon echt einmalig und beeindruckend. Auf der anderen Seite des Sees ging es dann nur noch bergauf. Über den Rinnkendl-Steig stapften wir vom Touri-Hotspot in Richtung Archenkanzel, einem Aussichtspunkt mit beeindruckendem Tiefblick auf den Königssee. Der Steig ist nicht sonderlich schwer zu gehen, und an ein paar Stellen mit Stahlseil versichert. Auch ein paar Holztreppen findet man hier auf dem Pfad, unser Klettersteigset mussten wir aber nicht zum Einsatz bringen. Bei einem Gespräch mit Gleichgesinnten wurde uns bestätigt, dass das auf 1900m gelegene Watzmannhaus trotz der Schneelage, die uns ja die ursprüngliche Tour verworfen hatte, gut zu erreichen ist. Mit müden Beinen ging es so weitere knapp 600hm Richtung Winterraum des Watzmannhauses. Der Weg durch den Schnee war dank unserer Vorgänger gut gespurt und sehr griffig, dank unserer Steigeisen, wurde das letzte Steilstück sogar noch ein bisschen einfacher. Diese wären zwar nicht nötig gewesen, aber wenn man sie schon dabei hat, kann man sie auch nutzen. Die kleinen Kletterpassagen waren trocken und konnten spielend bewältigt werden. Nach etwas über 9 Stunden reiner Gehzeit standen wir dann also auf der anderen Seite des Königssees und konnten unser Tagwerk bestaunen. Den restlichen Abend verbrachten wir dann mit Kochen auf dem Holzofen, Essen und den Ausblick über das Berchtesgadener Land zu genießen.

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Watzmannhaus bei Dämmerung

Tag 3:

Heute erwartete uns nur noch der Abstieg zum Parkplatz. Die Besteigung des Gipfels fanden wir, sowie unsere Vorgänger vom Vortag, als zu Risikoreich. Nach einem ‚gemütlichen‘ Frühstück und dem morgendlichen Kaffee machten wir uns auf den Weg ins Tal. Zahlreiche Gruppen und Tourenskigänger kamen uns dabei entgegen.

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Aufgrund der hohen Temperaturen und der Sonneneinstrahlung konnte man im Hintergrund immer wieder kleinere Lawinenabgänge hören. Nach etwa 3 Stunden endlosen bergablaufens konnten wir dann die Rucksäcke und die Bergschuhe endlich im Kofferraum verstauen. Bevor wir die Fahrt nach hause antraten, gönnten wir uns noch einen Kaiserschmarrn, um die Glucose-Werte wieder aufzufüllen.

Unter den Packlisten findet ihr Anregungen, was ihr für solch eine Tour mitnehmen solltet.

Fazit: 

Beim Planungen in den Bergen gerade in der Übergangszeit weis man nie, wo man am Ende landet. Wir hatten 2 Tage strahlenden Sonnenschein bei zweistelligen Plusgraden. Das Wochenende davor und das Folgende Schnee und Regen. Unsere geplante Tour konnten wir deshalb nicht durchführen, aber die so entstandene Route ist auch sehr lohnenswert. Aufgrund der vielen Höhenmeter und den weichen und nass-schweren Schnee ist diese auch nicht gerade einfach. Wir konnten zwar keine Gipfel-Fotos sammeln, aber Sicherheit geht hier einfach vor.

Und da Bilder mehr als Worte sagen…

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