Kronach, da ist die Welt noch in Ordnung

Die einen fahren immer wieder zum Wandern ins Allgäu -was ich voll verstehe, als halber Allgäuer- andere nach Österreich, die Schweiz oder noch weiter.
Dabei braucht man als Franke eigentlich nur nach Kronach fahren.
Das taten wir auch am 9.4.16 im Rahmen eines Testival eines Ortsansässigen Outdoorshops. Ein Zeltplatz wird organisiert und man darf aus dem Laden testen,  was man will und muss es danach nichtmal kaufen.
Wenn das kein Deal ist? Abends gibts Bier, Bradwörschd und Käs.
Meine Freundin suchte eine Matte für den Urlaub im großem Zelt, für mich war das irgendwie alles zu spontan und ich musste eh alles was sich in den letzten 1,5 Jahren erstmal ansammelte testen und als im Laden die Frage kam, was ich will, fiel mir nur ein: Ähm.. kein Plan? Ich geh halt so mit 🙂

Irgendwann kam dann der Tag,die Rucksäcke landeten im Auto.
Abfahrt gegen 10:00. Man fährt Landstraße, die Wiesen werden leerer..Grüner.. Die Wälder dichter.. Alles ländlicher.. Kurzer Stopp beim E-Center der viel zu modern wirkt in der Gegend, Filiale der neueren Generation sei Dank, erste Häuser mit Schieferverkleidung, um  11:10 dann Ankunft.
Wir kamen also da an, wo nach eigener Aussage die Welt gerüchtehalber noch in Ordnung ist und es heisst: Trink A Gambert, des is net schlambert. Wir waren in Kronach. Anfangs dacht ich, jaja.. das wird heut ne lahme Runde. Aber ich sollte mich täuschen. 1042 hm sagte mein Telefon am Ende, 23 km an einem Tag. Bombe.
Gegen 11 gehts los. Wie immer wenn man nichts besonderes erwartet, wird es anfangs auch unspektakulär. Laaaangweilig.
Soweit das Auge reicht nur flacher Weg.
Der Biker in mir will ACTION!

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 Exkurs zum Foto:
Ziel ist es, alles was man so für einen „Overnighter“ braucht in einem Rucksack mitzunehmen und im einstelligen Bereich beim Rucksackgewicht zu bleiben, d.h unter 10 Kilo

Das Gepäck entspricht einem ein-Personen-Minimalisten-Setup.
Isomatte, Tarp, Hängematte, Schlafsack, 2 Liter Wasser, unter dem Rucksack fachgerecht die Kameratasche. Angenehm, der Rucksack liegt auf ihr auf. Gewicht kaum zu merken an den Schultern.
An dem Tag fiel mir ein, was ich testen gekonnt hätte:
Eine Trekkinghose. Naja, in Jeans gehts auch.
(Meine Meinung änderte sich am Tagesende drastisch)
So laufen wir also dahin durch Kronachs saftiges Grün im April. Leichter Wind, der bald aussetzt, mit mehr Sonne motiviert einen dazu die Mütze abzunehmen.
Entlang der Landschaft bieten sich interessante Anblicke in der heimischen Flora.DSC_0677

Und so geht es weiter.. man läuft durch eine immergrüne Gegend, recht platt und denkt sich: Hachja, es sind eben keine Berge hier, und wenn dann laufen wir sicher drumherum.
Elche markieren den Weg, es werden Brücken überquert, wer es kann, darf den Bach direkt queren.
Halbhohe Schuhe und eine gewisse Unlust auf Nasse Füße hindern mich jedoch daran.
Am Rande bemerkt: Der Weg kreuzt mehr als einmal den europäischen Fernwanderweg, der wie ich im Osterurlaub festgestellt habe über das Danewerk und den Ringwall von Haithabu führt.
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Und es geht immer weiter, man folgt dem Weg – bis zu der Stelle am Bach, wo KEINE Brücke ist. Also schnell ein paar Steine gesucht, und drübergestiefelt. Ist auch besser drüberzugehen als rein, meine Nortface Trekkingschuhe sind mit Mesh. Was die Sohle überquert, landet im Schuh.
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Da das Auge bekanntlich mit wandert,
gibt es am Rand immer schöne Gesteinsformationen, wahrscheinlich Schieferplatten, welche Moosüberwuchert sind. Nice, aber irgendwie auch gespenstisch. Ob die im dunkeln leuchten?

So geht es also weiter dahin, bis man endlich an eine „schmale“ Stelle kommt.DSC_0701

Direkt neben dem Fluss daher flanierend wird es immer grooviger, ab und an Gesteinsformationen, vom Boden noch Sonntagstauglich und das an einem Samstag.
Nach gut 1,5 Stunden haben wir beinah 7 km geschafft. Der Aufstieg beginnt.
Wir schlängeln uns weiter den Wald hoch, mal steiler, mal flacher, mal im losen Untergrund, mal im griffigerem Untergrund. Schee, aber anstrengend. Auch wenn es nicht steil aussieht.
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Oben angekommen eine Pause. Alle sind gut gelaunt.
Fotos davon bekommen demnächst hier einen eigenen Beitrag, es wird ein Setup aufgebaut für den Blog und um es real zu testen zwecks Aufbauzeit, man kommt mit den ersten dadurch ins Gespräch.
Also geht es weiter, Rucksack auf und weiter im Text.

Irgendwann kommen uns aber Leute entgegen, die uns bereits überholten, und davon immermehr. Als sich gut 20 Leute mit GPS Geräten, Karten und ähnlichem trafen und berieten, wo es langgeht, wurde uns eines klar: Da hat so ein Schuft einen Wegweiser entfernt. Macht nichts, zu sechst navigieren wir uns Querfeldein mitten durch den Wald, nehmen locker 3 Rückegassen, welche in einem Sturmschaden, der nicht passierbar ist, enden oder im Gestrüpp, dann geht es einen Steilhang herunter (besonders gut mit freien Knöcheln in flachen Trekkingschuhen mit Gepäck) und irgendwann nach 2,5-3 Km Wegsuche sind die Elche wieder da. Heureka! Back on the Track.
Es wird jedoch immer später, in der Einladung sollte man gegen 18:00 zurücksein. Egal, soviele wie da zu spät ankamen wird es das auch nicht mehr ändern.

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Wieder vorbei an den Bachläufen im Sonnenuntergang geht es zurück über große Wiesen,es war ca 17:30.
Wir entschieden uns Gas zu geben und die volle Strecke abzulaufen, war ja noch schön vom Wetter.

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Auf den letzen paar Kilometern ging es noch 3 mal richtig Bergauf. Die Schulter zwickt,Stundenlang Rucksacktragen – soviel zur Entlastung über die Kameratasche.
Die Kameratasche übertrug über den Schultergurt das gesamte Gewicht auf EINE Schulter, Rucksack runter, Schulterwechsel, weitergehen…
Wieder was gelernt..sah schick aus, war aber unbrauchbar.

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Endlich! Nach 2 Anstiegen die nach einem Plateu und einer Kurve immer weitergingen sahen wir das Kreuz links.
Kreuze stehen immer an Höchstpunkten.
Danach ging es nichtmehr Bergauf,also nicht nennenswert.
So froh ein Kreuz zu sehen waren wir noch nie, denn langsam knurrte der Bauch. Tütenfutter gab es vorher ausgeteilt zum testen, aber das lag im Auto im Camp und nochmal pausieren für den Rucksack wollten wir nicht.

Es ist aber wie immer:
Wenn du denkst, es passiert nichts mehr, läuft nach der Angabe in 150 Metern rechts abbiegen was falsch. Nach gut 800 Metern nachdem wir rechts abbogen, sah es dann so aus.
Keine Ahnung, ob wir nun irgendwie was verpasst haben zum abbiegen..aber der Weg war zuende.
Also genervt die recht steile Böschung runter und ab über den Bach. Mit Gepäck und Sprung natürlich. Wie auch sonst. Wird immer besser was wir da treiben.

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Zugutletzt ging es noch ein paar Minuten beim Sonnenuntergang und durchbrechenden Lichtstrahlen zurück zum Startpunkt. Wunderbarer Ausklang.

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Angekommen noch fix das Zelt aus dem Auto geholt, und dann schnell aufgebaut. In der Nachlesemail kam heraus, dass 50 Leute übernachteten.
Eins von den Zelten ist unseres, wurde eingeweiht  und bekommt noch seinen eigenen Blogeintrag hier 😉
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Resumee des Kronach Trips:

Ich hab selber am Morgen gedacht, Wandern in Kronach, man bin ich alt und langweilig.. Danach war ich jedoch dann sehr überrascht, was die Gegend und die Region allgemein zu bieten hat.
Ich werde nun schauen, ob man mal den Rennsteig angeht, Fichtelgebirge oder was anderes Regionales, bspw den fränkischen Hochwanderweg in Teilen. Auf jedenfall war es eine sehr schöne Erfahrung zu sehen, dass man für einen netten Track nicht Stundenlang mit dem Auto an die Grenzen in Richtung Süden fahren muss.
Ich werd mir auch nie mehr Action wünschen, das endete wie im Biketrip dann in einem Bikehike Trip oder hier in einem Steilhanglauf.

Schlussendlich sagt es Goethe am besten:

Willst du immer weiter schweifen?

Sieh, das Gute liegt so nah.

Lerne nur das Glück ergreifen.

Denn das Glück ist immer da.

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