Winterbegehung der Alpspitze

Als so langsam der Winter Ende 2015 nun doch in unseren Breitengraden ankam, fanden wir es sehr schade, dass man im Winter eigentlich keine Klettersteige gehen kann. Naja, eigentlich?! Was ja heißt, dass man – die entsprechende Ausrüstung, Lawinenlage und Lawinenkenntnisse vorrausgesetzt – ja doch mal eine Winterbegehung eines Klettersteigs versuchen könnte. Die entsprechende Ausrüstung war ja schließlich vorhanden und wir hatten vom 29.-30. Dezember 2015 immerhin eineinhalb Tage spontan Zeit. Jetzt mussten wir noch einen Klettersteig finden, der begehbar war und in dem Zeitrahmen passte. Und natürlich musste die Lawinensituation annehmbar sein, was aber aufgrund der geringen Schneefälle das insgesamt kleinste Problem darstellte.

 

DAV-Hütte Kreuzeckhaus

Nach langem hin und her fiel die Wahl dann auf die Alpspitz Ferrata. Schnee war vorhanden, der Steig begehbar und die Wetterverhältnisse gut. So gings am Vormittag des 29. Dezembers nach der Arbeit gen Garmisch-Patenkirchen, wo wir ohne viel Stau gegen 14 Uhr ankamen. Wir hatten uns das Kreuzeckhaus als Nachtlager ausgespäht. Mit der Kreuzeckbahn von Garmisch Classic gings innerhalb kürzester Zeit zum Kreuzeck, wo die gleichnamige Hütte direkt an Bergstation gelegen war. Wir hatten Glück und bekamen in der DAV-Hütte sogar noch ein Zweibettzimmer, mit Stockbett. Für den Kraxxler sogar das erste mal auf einer DAV-Hütte 😁 Wir erforschten am späten Nachmittag dann noch bei einer kleinen Wanderung den Weg Richtung Alpspitz für den nächsten Tag. Den Abend liesen wir gemütlich in der Hütte bei einem sehr leckerem 3-Gänge-Menü und ein paar Weizen ausklingen. Rechtzeitig zur Hüttenruhe gings ins Stockbett mit dem Hüttenschlafsack um am nächsten Morgen ausgeruht die Ferrata anzugehen.

 

Das Doppelzimmer im Kreuzeckhaus

 

Blick auf die Alpspitze von der Hochalmbahn aus

Am Morgen des 30. Dezember machten wir uns, nach einem stärkendem Frühstück, auf Richtung Ferrata. Wir kürzten aus zeitlichen Gründen den Weg zum Osterfelderkopf mit der Hochalmbahn etwas ab. Von dort gings dann ca. 30 Minuten Zustieg durch den Schnee zum Einstieg des Klettersteigs. Augenscheinlich waren schon einige vor uns auf die gleiche Idee der Winterbegehung gekommen, da man einen sehr gut gespurten Pfad bis zum Einstieg vorfand und wir somit auch keine Steigeisen benötigten.

 

Einstieg zur Alpspitz Ferrata

Der Steig selbst war zwar gut schneebedeckt, die Schneedecke allerdings gut griffig und die Klammer weitestgehend eisfrei. Auch hier verzichteten wir wieder auf unsere Steigeisen. An der Scharte „der lustigen Bergler“ trugen wir uns pflichtbewusst ins Steigbuch ein und genossen bei einer kurzen Teepause die Aussicht bei herrlich sonnigen Wetter.

 

Herrliche Aussicht

Danach gings über den Grat (A) weiter, wobei viele Teile hier seilfrei begangen wurden, da das Stahlseil unter der Schneedecke verborgen lag und nur hin und wieder mal heraus schaute. Im A/B Abschnitt im Plattenschuss waren anscheinend Stifte angebracht, die man aufgrund des guten griffigen Schnees nicht brauchte bzw erst zu spät einsehen konnte. Der Abschnitt stellte aber trotzdem keine Schwierigkeit da. Im letzten Viertel zweigte dann der Zustieg zum Mathaisenkarsteig (B) und zum Jubiläumsgrat (D, 3-) nach rechts ab und wir mussten uns links an die Klammerleiter in der Rinne halten.

 

Weitesgehend eis- und schneefreie Klammerleitern

 

Letztes Stück vor dem Gipfelkreuz

Je höher wir kamen, desto wärmer wurde es. Schlussendlich erreichten wir nach ca. 3 Stunden Kletterzeit das Gipfelkreuz (2620m NN) im wunderbaren Sonnenschein und 15 Grad Celsius. Während der Gipfelrast bekamen wir recht viel Gesellschaft, da der Jubiläumsgrat, welcher von der Zug- zur Alpspitze führt, rege begangen war.

 

Blick auf Garmisch-Patenkirchen vom Gipfel der Alpspitze

Schweren Herzens verabschiedeten wir uns von dem gemütlichen sonnigen Gipfelplätzchen und legten unsere Steigeisen an. Der Abstieg ging dann über den Ostgrat (A/B) in teilweise knietiefem Schnee zum Nordwandsteig (A/B). Der Nordwandsteig quert, wie der Name schon sagt, unterhalb der Alpspitznordwand bis zum Ferrata Einstieg. Eigentlich war der Steig an vielen Stellen mit Stahlseil gesichert, welches aber oft erneut unter dem Schnee verborgen lag. Auf dem Zugstiegsweg gings dann zurück zur Bergstation der Alpspitzbahn. Wohlverdient genossen wir noch einen Germknödel im dortigen Restaurant, bevor es mit der letzten Seilbahn des Tages wieder hinab ins grüne Tal ging.

 

Abstieg über den Ostgrat


Fazit der Winterbegehung der Alpspitz Ferrata:

Wir hatten uns extra diesen leichten Klettersteig für unser erste Winterbegehung ausgesucht und er hat sich als sehr gut machbar erwiesen. Eigentlich könnte man die Ferrata gut in einem einzigen Tag machen, solange man bereit ist dementsprechend früh aufzustehen und die erste Bahn zu nehmen. Sonst ist die bequemere Variante mit Übernachtung im Kreuzeckhaus eine lohnende Alternative. Auf der relativ niedrigen Schneehöhe war der Steig gut zu erreichen und zu begehen. Der Eispickel musste auf der ganzen Tour nicht eingesetzt werden. Zum Abstieg haben wir die Steigeisen und die Trekkingstöcke verwendet, was voll und ganz ausreichte. Eigentlich hätte ein Grödel statt den Steigeisen die gleichen Dienste erwiesen, da es nur um Halt im Schnee und dem darunter gelegen Geröllfeld ging. Für den Abstieg haben wir allerdings 3 statt 2 Stunden gebraucht.

Zusammenfassend war es eine sehr schöne lohnenswerte Winterbegehung der Alpspitz Ferrata, welche gut machbar war. Bei größeren Schneehöhen ist die gleiche Begehbarkeit wahrscheinlich viel schwieriger. Man sollte auf jeden Fall genügend Zeit für die Tour einplanen, nicht dass man zu Schluss vom Osterfelderkopf noch ins Tal laufen muss. Und eine passende wintertaugliche Ausrüstung, entsprechend körperliche Fitness und gute Lawinenkenntnisse/-Lage sollten zwingend vorhanden sein.

Infos zur Alpspitz Ferrata: Alpspitz Ferrata

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